Mittwoch, November 21, 2012

Wenn sich die Presse streitet... ganz veganisch!

Ja, das gibt es nun in Deutschland wieder. Ein kleines unbeugsames Völkchen selbstdenkender Menschen hat die große Presselandschaft, an vorderster Stelle die Frauenzeitschriften, entzweit.
Wo Sie sich doch sonst alle einig sind, wenn es um Cellulite (bäh!), die neuesten Modetrends (oooh!) und die It-People (uiii!) geht. Jetzt aber sind Menschen auf den Plan getreten, deren Verhalten wohl doch zum Nachdenken angeregt hat und so streitet sich die Presse nun darüber, ob deren Lebenstil gesund oder verlogen ist. Die Rede ist von Veganern!
Die FürSie sieht sich derzeit  auf ihrer FB-Seite unter "Aktuelle Beiträge anderer Nutzer" einem unglaublichen Shit-Storm ausgesetzt, weil sie ganz ohne fundierte Recherche mal soeben die aktuellen Vorurteile gegenüber veganer Ernährung in einen Artikel (zu finden auf der FB-Seite kreaktivisten.org) gepackt hat. Auf deren Fotoseite, kann man ihn vergrößert lesen.
Ja, eigentlich nichts Neues, das ist gängige Praxis, wenn es um diffizilere Themen ohne gesellschaftlichen Konsens geht. Und vor allem dann, wenn man glaubt , die Masse seiner Leser mit ihrer eigenen Meinung in Textform befriedigen zu können. Das glaubte die FürSie vielleicht auch - wir wissen allerdings nicht, wie hoch der Anteil der Veganerinnen unter der Leserschaft ist, die ganz andere Erfahrungen gemacht hat, als diejenigen, die dort beschrieben wurden.

Ganz anders hat sich die BildderFrau - Europas größte Frauenzeitschrift - dem Thema genähert und hat sich Anfang Oktober redlich mit mir und anderen "Genussspezialisten" beschäftigt, um folgenden sehr positiven Artikel zu veröffentlichen.
(auf den Ausschnitt klicken zum Vergrößern! und: Ja, auch hier hat sich der veganische Fehlerteufel eingeschlichen, aber der war wohl nicht böse gemeint!)
Hier durfte sogar über die Ernährung von Wildpflanzen gesprochen werden. Auch wenn Frau von Cramm als klassische "Ernährungs-Expertin" noch Bedenken zu hegen scheint, hier kommen Menschen mit gelebter veganer Erfahrung zu Wort. Und dass diese unterschiedlich und vielfältig sein können, aber alle zum Wohl der Tiere beitragen, zeigte diese Variante der Themenaufbereitung ganz schön. Und das scheint mir die Wurzel des Übels zu sein: Die FürSie hat einfach nicht bedacht, dass es nicht den Veganer gibt -  obwohl sie so getan hat, als ob, oder was sollte oben rechts die merkwürdige Aufzählung an Beispielen, die hauptsächlich nichtvegane Varianten aufzählt.

Hier für alle, die zukünftig über "die Veganer" oder eine VEGANE Ernährung schreiben wollen:

1. Wir sind vielfältig und individuell unterschiedlich - nicht nur in unserer Ernährungsweise!

2. Die vegane Ernährungsweise kann theoretisch auch ungesund sein, aber nur für Menschen - für Tiere sichert sie das Leben! Ohne Obst, Gemüse und ausgewogene Ernährung, können - wie freilich bei jeder anderen Ernährungsform - auch Mängel entstehen. B12-Mangel ist übrigens nicht nur bei Veganern oder Vegetariern zu beobachten, sondern tritt genauso häufig bei konventioneller Ernährung auf. (Da hätte man mal recherchieren können, woran das wohl liegt!!! Ich hätte da die ein oder andere Idee.)

Ich brauch ja hier nicht erzählen, welche Ernährung ich für gut heiße, das wisst ihr ja! Aber ich würde mir wünschen, dass "vegan" gleichzeitig gesund heißt - in Presse und Praxis.
Deshalb empfehle ich:
-  Bioprodukte zu kaufen, die möglichst natürlich und wenig verarbeitet sind, ohne bedenkliche Zusätze (die leider auch im veganen Nichtbiobereich immer mehr werden - zum Beispiel Methylcellulose o.Ä.)
- wenig von Fleischersatzprodukten auf Soja- und Weizeneiweißbasis zu verwenden (beides sind hochgezüchtete Feldfrüchte, die auf Dauer und im Übermaß verwendet auch nicht gesund sind), sondern viel Variation an Gemüse, Obst, Saaten zum Hauptbestandteil der Ernährung zu machen
- möglichst frischen Verzehr
- Ergänzung mit natürlichen, nicht gezüchteten Wildpflanzen!