Montag, Dezember 10, 2012

Weihrauch - der Duft von Weihnachten


Sicher habt Ihr schon darauf gewartet - auf das Räucherwerk schlechthin, den Weihrauch. Wenn es so einfach wäre... Weihrauch bezeichnet zwar eine Pflanzengattung und man sollte meinen, damit wäre die Sache klar, aber weit gefehlt. Unter Weihrauch werden nämlich nicht nur die Harze von Boswellia-Arten angeboten, sondern im Grunde alles, was sich als rauchendes Harz anbieten lässt. Die meisten, die zum ersten Mal den Geruch von echtem Weihrauch riechen, von so genanntem Olibanum, das von Boswellia sacra aus dem Oman oder aus dem Jemen stammt , sind begeistert und stellen erstaunt fest, dass es durchaus einen Unterschied macht, ob eben dieser echte Weihrauch verräuchert wird oder nur ein Harz, dass von minderer Qualität ist und vielleicht nicht einmal von Weihrauchbäumen stammt. Bei manchem Kirchenweihrauch handelt es sich auch eher um "Weih"rauch, also um Rauch von irgendeiner billigen geweihten Harzmischung, als um Rauch vom Harz der wunderbaren Weihrauchbäume. Sie gedeihen in der kärgsten, steinigsten Landschaft, die man auf der Erde treffen kann und ihr Harz ist eines der kostbarsten Exportprodukte der Länder der arabischen Halbinsel und am Horn von Afrika.
Der Reichtum der legendären Königin von Saba wurde darauf zurückgeführt, dass sie Handel mit Weihrauch betrieb. Ihre Geschichte und die Geschichte der Weihrauchstraße ist eine Geschichte, die von Pflanzen und ihren Produkten handelt.

Mein allererstes Räucherstövchen aus dem Oman - wurde zum Titelbild von "Sinneserlebnis Duft"


Weihrauch ist die Essenz des Räucherns und so kennt man im englischen Sprachraum nur das Wort für Weihrauch - incense, wenn es um das Räuchern geht.


Die kirchliche Räucherung ist übrigens keineswegs eine Erfindung der katholischen Kirche, sondern die Fortsetzung der alten Räucherkultur des Orients, die von den Römern und später auch den Christen übernommen wurde. So wird im Alten Testament an zahlreichen Stellen duftendes Räucherwerk erwähnt, im 2. Buch Mose, Kapitel 30 findet sich die folgende Anweisung Gottes an Mose: "Und der Herr sprach zu Mose: "Nimm dir Spezerei; Balsam, Stakte, Galban und reinen Weihrauch, von einem so viel wie vom andern, und mache Räuchwerk daraus, nach der Kunst des Salbenbereiters gemengt, dass es rein und heilig sei."* Auch zur Errichtung eines Räucheraltars und zur Durchführung des Räucherns gibt Gott Mose detaillgenaue Anleitungen. Den Israeliten galt das Räuchern ebenso als Botschaft an Gott wie den Ägyptern, ja ihr Gott verlangte explizit danach. Räuchern und Gebet, das war Kommunikation mit Gott, wobei das Räucheropfer zu dieser Zeit wohl eine gewichtigere Bedeutung hatte als das bloße Gebet. In Psalm 141,2 ist zu lesen: "Mein Gebet müsse vor dir taugen wie ein Räuchopfer, mein Händeaufheben wie ein Abendopfer."
* Luther- Bibel 1912

Lest morgen weiter zum Thema Weihrauch und seiner Bedeutung für die Raunächte!