Mittwoch, Juli 17, 2013

Kirschen für Orthorektiker

War das ein ärgerlicher Tag gestern. Mich erreichten Fragen zu Zeitungsartikeln, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Früher schrieb man in den Zeiten des Sommerlochs noch über Nessie - heute über gefährliche Kräuter in Tees und über „krankhaftes Gesund-Essen“ = Orthorexia nervosa. Bei letzterem wurden Veganer, Vegetarier und Rohköstler gleich mit angeklagt, was ich als sehr ärgerlich empfinde. Der Artikel erscheint in unterschiedlicher Form immer wieder und stand gestern hier in der Kreiszeitung, woraus ich weiter unten zitiere.
 
Wer bitte überlegt sich so einen Quatsch? Im Falle der Orthorexie wars schnell klar - weil zwar eine Autorin drüber aber auch eine Webadresse drunter stand und diese zu einer Therapieeinrichtung für Essgestörte führt, die wohl ihren Kundenkreis erweitern möchte. Da ist man schnell dabei mit Sätzen wie „Es hat sich
gezeigt, dass Vegetarier und Veganer eine etwas höhere Wahrscheinlichkeit für Orthorexie haben als die Gesamtbevölkerung.“
Ja, das kann ich mir vorstellen, weil sich diese Menschen ohnehin mit Essen beschäftigen. Aber ebenso könnte man sagen: es hat sich gezeit, dass Autofahrer öfter Unfälle bauen. Es liegt in der Natur der Sache, dass es bei jedem Thema Menschen gibt, die es in nicht gesunder Art und Weise ausleben. Warum also diese Pauschalierung und Verunsicherung der Menschen. Ja, es gibt Essstörungen, denken wir an "Magersucht, Bulimie oder Binge-Eating", die kommen aber bei allen Ernährungsformen vor, warum soll es nicht auch bei den Gesundernährern Essgstörte geben. Hört endlich auf mit der Panikmache.
Sätzen wie "Die Kampagne beginnt oft schon imKindergarten“, sagt sie. Kinder lernten dort, „gutes“ von „schlechtem“Essen zu unterscheiden. Süßigkeiten würden mitunter konsequent verbannt. „Wenn nicht mal am Geburtstag Kuchen mitgebrachtwerden darf, handelt es sich um ideologische Auswüchse“, sagt die Ärztin.
Es geht doch nicht um Kuchen oder nicht Kuchen - es geht um die Art Kuchen. Und was spricht dagegen im Sommer einen rohköstlichen Kirschkuchen zu empfehlen?

Liebe Eltern - sollten eure Kinder Vegetarier oder Veganer werden - macht euch keine Sorgen, sie fangen einfach an ,Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Über "gefährliche Pyrrolizidinalkaloide" schrieb gestern die SZ, ja, auch dieses Thema ist mittlerweile 30 Jahre alt und eine immer wieder durchs Dorf getriebene Sau.
Ich habe zu diesem Thema in "Meine liebsten Wildpflanzen-rohköstlich" Folgendes geschrieben:

Beinwell in der Diskussion
Vom Verzehr des Beinwells wird in Deutschland seit längerer Zeit abgeraten, weil sich eine Gruppe von Inhaltsstoffen, die Pyrrolizidinalkaloide, bei Tierversuchen im Labor als leberschädigend erwiesen hat. Überlegen Sie sich, ob Sie Laborexperimente mit hoch konzentrierten Inhaltsstoffen als Richtschnur dafür gelten lassen, die ganze Pflanze mit all ihren positiven Wirkungen aus ihrem Nahrungssortiment auszuklammern. Der Beinwell ist eng verwandt mit dem Borretsch, Borago officinalis, der wegen der enthaltenen Alkaloide ebenfalls in der Kritik steht. Dennoch wird Borretsch in Gärten angebaut und als Gewürz häufig genutzt. Ich benutze Borretsch und Beinwell regelmäßig als Gewürz und Bestandteil von Gerichten, aber nicht täglich und nie im Übermaß. Entscheiden Sie selbst, ob Sie Beinwell verwenden oder das Rezept alternativ lieber mit Giersch oder Wegerich zubereiten
wollen.

Wer sicher gehen will, dass er keinen "Schadstoff" abkriegt, sollte in erster Linie nicht mehr vor die Tür gehen - dort lauern nämlich Abgase, die in Laborversuchen Fürchterliches hervorgebracht haben... Sonst gilt: Wer sich vor verunreinigten Tees schützen will, kauft keine Billigteebeutel "Kräutertee", sondern ganze Blattware in bester Bio-Qualität und sammelt selber.

Erfreuliches gibt es aber auch - es gibt wieder das leckerste Fastfood, das man sich vorstellen kann und man kann es vielerorts finden und ernten. Ich rede von den Wildkirschen - bei Mundraub.org findet ihr jede Menge Standorte für nahegelegene Früchtchen.


Wildkirschen - rote und schwarze

Diese leckeren Kirschen unten gabs letzte Woche in der Pfalz, wo ich einen traumhaften Ort für die mehrtägigien Seminar im nächsten Jahr entdeckt habe. Und was soll ich sagen: Ich habe mich dort den ganzen Tag  von Früchten und frischem Grün ernährt - war das schön. Ich habe sie einfach genossen, nicht darüber nachgedacht!