Donnerstag, August 08, 2013

Quatsch in der TAZ

Ich gehöre normalerweise nicht zu den Menschen, die andere bezüglich ihrer Meinung kritisieren und so lasse ich auch meinen Journalisten-Kollegen gerne die ihrige. Heute allerdings hat es mich sowas von geärgert, dass die TAZ in ihrem "politischen Umweltmagazin ZEO2" einen Artikel bringt, der einfach Humbug ist, dass ich mir darüber mal Luft verschaffen muss.

In diesem Artikel sagt Ulrike Gonder: Veganer retten nicht die Welt . Die Ökotrophologin meint, sie wissen zu wenig über die Natur.

Standpunkt vegan und Landwirtschaft

Fleisch gehört dazu

Lest ihn einmal durch und ihr werdet an mancher Stelle mit den Ohren schlackern - diese Argumentation ist sowas von hanebüchen, da frage ich mich, wie man auf solche Ideen kommen kann.

Da wird doch tatsächlich behauptet, die für Tierzucht genutzten Weideflächen wären für Ackerbau ungeeignet. "Die einzige Möglichkeit, auf diesen Flächen nachhaltig Nahrung zu gewinnen, ist die Tierhaltung." Und es würde nichts für die Ernährung der Menschen bringen, mehr Getreide und Soja anzubauen. Die Flächen würden auslaugen ohne tierische Düngung und die Rückführung der Tierexkremente in den natürlichen Kreislauf. So kann man das vielleicht sehen... aber nur wenn man den Kreislauf nicht versteht. Auf einer nicht abgeweideten Fläche kommt es nämlich zur Humusbildung durch Pflanzen, welche die Böden wieder mit organischem Material anreichert und zwar ganz von alleine. Oder wie kommt der Löwenzahn zwischen die Pflastersteine??? Fakt ist: die Naturkreisläufe haben schon funktioniert bevor der Mensch Tierzüchter und sesshaft wurde - jahrmillionenlang. Nährstoffe kommen nicht originär aus Tierexkrementen sondern sind nur das, was von den Pflanzen übrigbleibt, die ihre Nährstoffe aus der Erde aufnehmen.

Nächste Fragestellung im Artikel:
"Wie steht es mit dem Biolandbau? Biolandbau und Vegetarismus schließen einander aus. Durch den Verzicht auf mineralische Düngemittel ist die ökologische Landwirtschaft ganz besonders auf Tiere als Düngerproduzenten angewiesen."
Was ein Quatsch, kann ich da nur sagen - die organische Düngung - schlicht die Kompostierung kann ebenso das Fundament eines geschlossenen Kreislaufs sein - und ja, es gibt tatsächlich auch Betriebe, die produzieren ohne tierische Düngemittel.
"Nur so ist Nachhaltigkeit überhaupt möglich." - stimmt eben nicht - schlecht informiert kann ich da nur sagen.

Nach falschen Fakten wird es dann aber polemisch: "Was ist mit den millionenfach im Boden lebenden Einzellern, Würmern und Bakterien, die durch den Anbau von Getreide- und Sojamonokulturen getötet werden? Zählen die nicht? " Was soll das? Das ist Kindergarten, nach dem Motto: Die Tiere, die ich esse sind nur größer als die, die du isst. Hat solch eine Aussage etwas in einer Zeitung zu suchen?
Und von da an, geht es steil bergab.... Da kommen dann all die Vorurteile - von "Vegan ist nicht ausreichend für Schwangere" bis zum B12-Mangel, der nur durch B12-Einnahme verhindert werden kann. Blablabla - wer glaubt das noch? 

Dieser Artikel hat mir leider wieder gezeigt, dass es durchaus möglich ist so zu denken - gerne, ich habe nichts dagegen, wenn jemand nur die eine Hälfte an Fakten anschauen und dann daraus seine Schlüsse ziehen möchte - aber diese als Wahrheit zu verkaufen - liebe TAZ, und das noch unter dem Deckmäntelchen eines politischen Umweltmagazins - das ist ein bisschen pfui.


Übrigens gibt es das immer wieder im deutschen Blätterwald - da schrieb der Spiegel vor etwa 30 Jahren Schlechtes über den Huflattich, worauf der aus den Teeregalen verschwinden musste. Mensch ihr Chefredakteure und Herausgeber - wäre es vielleicht irgendwann mal möglich Faktensammlungen zu Artikeln zu verarbeiten - Themen zu erörtern, statt Meinung zu machen. Unabhängig, überparteilich und frei (von Vorurteilen) - wieso klappt das nicht?