Donnerstag, Dezember 19, 2013

Steinmännchen-Ordnung

So Ihr Lieben, die letzten Weihnachtsvorbereitungen stehen an. Unter anderem heißt das auch, noch die neuen Termine für Veranstaltungen, Seminare und Exkursionen zu veröffentlichen und noch das ein oder andere mehr erledigen. Unter anderem sollte noch dringend Wäsche gewaschen werden. Die traditionellen Regeln für die Zeit der Raunächte besagen nämlich, dass keine Wäsche gewaschen werden durfte in dieser Zeit. Darüber habe ich heute nachgedacht. Einerseits heißt das, vor Weihnachten muss alles erledigt sein, andererseits heißt das aber auch, dass ich an Weihnachten dann vielleicht schon platt bin bevor das Feiern losgeht. Ist das eigentlich im Sinne des Erfinders (und wer ist das überhaupt?). Also, wie ist das mit der Ordnung? Gilt auch hier wie im Yoga "Äußere Ordnung = Innere Ordnung"? Was will ich alles geordnet und erledigt haben, bevor ich feiern und loslassen kann, ist doch die Frage. Welche Ansprüche stellen wir denn an uns und unsere Mitmenschen?

Beim Erörtern dieser Frage ist mir der Steinmännchen-Mann vom Bodensee eingefallen, den ich letzte Woche getroffen habe. Er hat dort seine Wirkungsstätte, direkt am Ufer der Mettnau baut er Stein auf Stein gemächlich vor sich hin.


Bei jedem Stein, den er auf einen anderen gesetzt hat, hat er gestöhnt, als schiene es ihn unheimlich viel Energie zu kosten. Es schien ein Überlegen und Probieren und Abwägen zu sein - passt der Stein oder nicht.



Mir erschien das irgendwie seltsam, denn letztendlich steht das Steinmännchen nur, wenn alle wirkenden Kräfte im richtigen Verhältnis zueinander stehen. Dabei ist es vielleicht ganz egal, wieviele Gedanken wir uns machen. Vielleicht ist alles ganz einfach: Wenn der Stein passt, bleibt das Steinmännchen stehen, wieviel Anstrengung dafür aufgewendet wurde und von wem, ist völlig irrelevant.  Man könnte auch sagen: Ein Steinmännchen ist die Summe aller aufeinander stehenden Steine - mehr nicht.



Dann ist mir bei meinen Überlegungen "Lawrence of Arabia" eingefallen und dieser Satz, der mir sofort in den Sinn kommt, wenn ich an diesen Film denke: "Nothing is written!" Ja, so ist es. (Peter o'Toole ist diese Woche gestorben und ich bin anscheinend nicht die Einzige, die über diesen Satz schon häufiger nachgedacht hat )
Wir können Regeln und Gesetze aufstellen und ihnen folgen und uns selbst und die innere Ordnung verlieren. Und wir können unsere innere Ordnung einfach leben - einen Stein auf den anderen setzen und schauen, ob sie übereinander stehen bleiben, Wäsche waschen, Geschenke einpacken und dazwischen ein Päuschen machen. Weihnachten wird es auf jeden Fall!