Freitag, Dezember 12, 2014

Gäste oder Fremde - kann Deutschland ein Zuhause werden?



Seit Wochen frage ich mich, wie ich mich wohl fühlen würde, wenn ich Asyl bräuchte und nach Deutschland käme? Heute wäre eine der Schlagzeilen bei t-online zu lesen: Geplante Flüchtlingshäuser brennen in Bayern - Hakenkreuze entdeckt. Und gestern machte ein Artikel aus der Zeit die Runde, der verdeutlicht, dass unsere Gesetzte viel weniger flüchtlingsfreundlich sind als wir es vielleicht glauben mögen. Manchmal zweifle ich am "guten" Deutschland.

Aber es gibt auch andere Projekte, bei denen Menschen auf der Flucht als geschätzte Gäste behandelt werden, über deren Ankunft man sich freut und denen man helfen will beim Finden einer neuen Heimat. Ein Beispiel möchte ich vorstellen, das mir sehr nahe geht:




In Gomadingen, einer kleinen Gemeinde auf der Schwäbischen Alb, haben sich die Menschen zusammengetan und nach schnellen Hilfsmöglichkeiten gesucht. Der Gomadinger Asylkreis hilft in den kommenden Monaten mindestens 80 Männer, Frauen und Kinder, die gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen, möglicherweise sollen noch mehr aufgenommen werden. Auf der Internetseite des Arbeitskreises Asyl Gomadingen steht zu lesen: "Ihre Flucht vor Grausamkeit und tiefstem Elend findet hier bei uns ein zumindest vorläufiges Ende. Wir sind glücklich, ihnen in unserem ehemaligen Feriendorf ein vorübergehendes Zuhause bieten zu können, in dem sie ein Leben in Würde und Sicherheit führen."

Hier haben Menschen begriffen, dass Helfen nicht nur dem Bedürftigen ein Glück ist, sondern auch dem, der Hilfe gibt. In Gomadingen spricht man davon praktizierte Nächstenliebe und Gastfreundschaft zu koordinieren und so zu organisieren, dass sie unseren Gästen bestmöglich zugute kommt. Und wenn wir dort weiterlesenlesen wir auch - gerichtet an die interessierten Gomadinger Einwohner: Was wir Ihnen versprechen können: Ihr Engagement vollbringt nicht nur gute Taten, sondern bereitet Ihnen selber Freude. Und vielleicht stärkt unsere Solidarität mit Menschen in Not auch unsere Dorfgemeinschaft selbst.

Und die Gomadinger sind kreativ: Eine lange Liste an Möglichkeiten gibt es dazu, wie man sich einbringen kann - die reicht von Sachspenden bis zu Patenschaften, durch die persönliche Beziehungen aufgebaut werden sollen. Die Liste könnt Ihr hier anschauen und wenn jemand spontan sagt, ich möchte das unterstützen, dann gibt es auch die Möglichkeit zu spenden.

Die Stelle an der heute die Flüchtlinge aus Syrien, Pakistan und Afghanistan wohnen, das ehemalige Feriendorf Gomadingens - wird sich durch diesen Akt der Nächstenliebe und das Zusammenfinden von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen verändern. So ändert eine kleine Gemeinde auf der Alb ihr Schicksal und das vieler fremder Menschen.
Lasst Euch nicht entmutigen, egal wie die politische Situation ist und wie festgefahren Strukturen sein mögen, wir können alle etwas tun.