Samstag, November 14, 2015

#noussommesunis

Ihr Lieben, heute sollten hier eigentlich erfreuliche Dinge stehen, Bilder vom letzten Potluck und es sollte um die Schönheit der Natur gehen. Aber heute ist mir nicht danach. Die Eindrücke von gestern Abend sind so stark in meinem Kopf - 120 oder sogar 150 Tote (?), die auf das Konto der Unmenschlichkeit gehen, machen mich sprachlos.


Wie gestört, verzweifelt und liebesunfähig müssen Menschen sein, die so etwas planen wie diese Anschläge. Ich glaube nicht an "das Böse", ich glaube aber an die Weitergabe erfahrenen Leides. Das soll nun keinesfalls heißen, dass ich den Attentätern von Paris auch nur einen Funken Verantwortung erlassen wollen würde - wir alle sind verantwortlich für das, was wir tun oder nicht tun. Die einzige Frage, die ich mir stelle, ist: "Wie können wir als Gesellschaft verhindern, dass Menschen so etwas tun - wir haben es ja lange Jahre nun relativ gut hingekriegt?" Nun sind wir tief getroffen worden - ich sage wir, weil ich mich in diesen Überlegungen nicht als Deutsche sehe, sondern als Europäerin oder vielleicht sogar als Weltbürgerin, weil unser Denken, unsere Fürsorge, unser Mitempfinden auch nicht an den Europäischen Außengrenzen aufhören kann.

Ist es nur der Wohlstand, den wir erhöhen müssen, damit alle Menschen gleich glücklich sind? Damit sich jeder frei entfalten kann und sein persönliches Glück leben kann? Ich glaube nicht, dass das ausreichen wird.


Wie gelangen wir als Gemeinschaft zu mehr Verbundenheit, zu mehr Mitgefühl, zu mehr Liebe füreinander - das werden die großen Fragen sein. Eine Karikatur von Charlie Hébdo sagt sinngemäß (leider finde ich sie nicht mehr): "Danke für Eure Gebete, aber wir brauchen nicht noch mehr Religion - wir wollen Leben, Küsse, Champagner..."

 Ja, da fragt man sich, ob Religion nun die Ursache allen Übels ist. Ich teile diese Ansicht nicht, ich denke eher sie wird als Rechtfertigung benutzt - aber dennoch: Dafür reicht es, vielleicht hat der Karikaturist also recht.

Ich bin ratlos heute und werde nun rausgehen und versuchen, mich in der Natur wieder zu ordnen. Euch ein schönes Wochenende.