Samstag, Juni 04, 2016

Rotaract Kidscamp mit Wildpflanzen und Smoothies




Eine anstrengende Woche war das, so dass ich noch nicht einmal dazugekommen bin, euch vom Wochenende zuvor zu berichten, aber das werde ich jetzt nachholen. Das vergangene Wochenende startete nämlich schon am Donnerstag (bei uns hier war Fronleichnam). Ich habe mich da ganz früh aufgemacht, um einen Tag mit den Kindern beim Rotaract Kidscamp zu verbringen.



Zu diesem Camp in der Natur werden Kinder eingeladen, die sonst nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, also auch keinen Urlaub machen können, weil ihre Eltern und die ganze Familie mit sozial problematischen und finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben.


Mit drei dieser Kindergruppen durfte ich auch dieses Mal in den Wald  gehen. Dort ging es darum, zu lernen, dass wir niemals verlassen sind und immer überleben können, weil die Natur mit ihren Wildpflanzen so gut für uns sorgt, dass wir nicht nur satt, sondern auch gesund werden. Wir haben zahlreiche essbare Wildpflanzen entdeckt. Wir haben geübt, sie nicht mit giftigen Pflanzen zu verwechseln, und Heilpflanzen gefunden, die gegen Stiche und kleine Wunden hilfreich sind. Wie schnell es geht, dass Kinder verstehen, wie segensreich die Natur ist und dass wir dort immer Hilfe finden, fasziniert mich jedes Mal wieder.

Mehr zu den Lieblings-Wildpflanzen der Kinder lest ihr hier morgen.


Der Höhepunkt unserer Waldexkursion war das Brennnesselnsammeln, die dann gemeinsam zu Smoothie verarbeitet werden sollten.

Erst einmal üben, wie es auch ohne Handschuhe geht... Hier: die Brennhaare glattstreichen, damit man nicht gebrannt wird.

Damit es schneller geht, haben wir die großen Mengen, die wir für 200 Smoothie-Portionen gebraucht haben dann mit Handschuhen gepflückt. Auch damit kann man aber noch gebrannt werden, wenn man zu nahe an die Pflanzen ran geht ewta, aber da die Kinder schon die "Gegenmittel" in Form von Wildpflanzen kennengelernt hatten, war das für keines der Kinder ein Problem. Immer wieder bin ich begeistert, wie schlau Kinder sind: Sie zählen sofort 1 und 1 zusammen und so jammert keiner, sondern packt Blätter auf die Quaddeln und alles ist gut.

Betreuer und Kinder diskutieren, ob die Menge reicht oder nicht.
Ganz viele Brennnesseln haben wir gebraucht - das war erst der Anfang.

Wir haben so viel Smoothies gemacht, dass es für  75 Kinder und Betreuer gereicht hat.

Zutaten waren neben der vielen Brennnesseln: Bananen, Erdbeeren und Zitronen - Rezepte findet ihr hier.

Keiner konnte es erwarten, bis die Smoothies fertig waren und die Gruppen durften natürlich auch gleich beim Zubereiten probieren.


Smoothie für alle gab es dann beim Mittagessen als Dessert. Und schaut mal, alle Tassen wurden leer getrunken.



Wer hier häufig mitliest, weiß, ich habe das letztes Jahr schon gemacht. Ich verstehe solche Exkursionen mit bedürftigen Kindern mittlerweile als wichtigsten Teil meiner Arbeit. Leider kann ich das nicht jeden Tag machen, aber ich würde es gerne viel öfter tun. Allerdings muss ich mir solche Charity-Projekte auch "leisten" können. Und da kommt ihr ins Spiel: Falls hier jemand mitliest, der gerne dazu beitragen möchte, dass ich mehr Kinder an mehr Tagen auf diese Weise stark machen kann - meldet euch und unterstützt das. Wenn ihr Sponsoren kennt oder werden wollt für solche Gruppenführungen, dann könnt ihr dazu beitragen, dass ich noch viel öfter solche oder ähnliche für die Teilnehmer kostenfreie Führungen machen kann, vielleicht auch in Sindelfingen oder in eurer Stadt. Meldet euch per Mail über meine Website einfach direkt bei mir, wenn ihr euch das vorstellen könnt.



Ich bin überzeugt: Wenn wir als Gesellschaft dafür sorgen, dass Kinder selbstbewusst und angstfrei, großwerden können, auch wenn ihre Ausgangssituation das eigentlich nicht hergibt, dann werden wir auch eine starke und selbstbewusste Gesellschaft werden. Und das brauchen wir ganz dringend.
Ich will noch erklären, was ich mit "angstfrei" meine: Wer keine Existenzängste hat, weil er/sie genug Wissen hat, um auch ohne finanziell gesicherten Hintergrund selbstbewusst und stark durchs Leben gehen zu können, der braucht sich auch nicht über andere aufzuregen, die ihm etwas wegnehmen könnten. Angst entsteht immer aus einer Mangelsituation, auch wenn diese nur eine vermeintliche und nur im Kopf vorhanden ist. Wenn wir aber wissen, wie Überleben geht, dann gibt es keinen Mangel und niemand muss sich fürchten vor Einwanderern, Konkurrenten, bösen Nachbarn etc. Solch eine Gesellschaft wünsche ich mir. Danke an das Team von Rotaract, dass ihr dieses Lernen zum Programm macht und mich Teil davon sein lasst. Das Kidscamp könnt ihr übrigens hier direkt unterstützen.