Dienstag, Juni 07, 2016

Schluss mit der Gleichmacherei

Heute muss ich euch mal erzählen, was ich eigentlich schon lange meinen Kursteilnehmern erzähle: nämlich dass alle Empfehlungen zum Verzehr von Wildpflanzen, die allgemein ausgesprochen werden, Humbug sind. Das heißt jetzt nicht, dass ihr keine Wildpflanzen mehr essen sollt, das heißt, das ihr herausfinden sollt, welche die richtigen für euch persönlich sind. Und das gilt nicht nur für Wildpflanzen, das gilt auch für Obst, Gemüse und Superfoods.

Bei meinen Exkursionen, mögen die einen dies und die anderen das. Das beobachte ich auch bei meinen Klienten in der Ernährungsberatung. Und nachdem ich das Ganze jetzt über 10 Jahre mache, fällt es mir ganz leicht, aus den Vorlieben für bestimmte Wildpflanzen auch auf die körperliche Konstitution der Menschen und ihre Neigung zu bestimmten Krankheiten zu schließen. Jede/r braucht etwas anderes, damit es ihm gut geht, da bin ich mir schon lange sicher. Warum das so ist? Es wird viele verschiedene Gründe dafür geben: Beim einen arbeitet die Fettverdauung so, beim anderen sorgen Hormone oder das Nichtvorhandensein derselben dafür, dass die Nahrung ganz anders verarbeitet wird.
 
Liebe ich: Rohkosttomatenbrot mit Giersch.
Wie sie verabeitet wird, das hängt nicht zuletzt auch von den Bakterienstämmen ab, die wir in unserem Verdauungstrakt beherbergen und die dafür zuständig sind, dass diesbezüglich alles klappt. Das haben nun Wissenschaftler unter Leitung von Prof. Eran Segal and Dr. Eran Elina am Weizmann Institute of Science, Israel bestätigt. Dazu gibt es einen schönen Film, den ich euch hier empfehlen möchte. Den Hinweis darauf habe ich Angelika zu verdanken, sie war letzte Woche mit auf Exkursion und hat dort meinen Ausführungen gelauscht dazu, dass eben jede/r andere Bedürfnisse in Bezug auf Wildpflanzen hat. Und hier haben wir nun einen kleinen Baustein, der das beweisen kann. Und ich glaube, wir werden noch viel mehr Erkenntnisse in dieser Richtung bekommen, wenn wir erst einmal dieser Theorie eine wissenschaftliche Chance geben.

Für euch fleißige WildsammlerInnen und Rohrkostspürnasen heißt das: Vertraut eurem Gefühl und esst das, was für euch persönlich gut ist und was euch schmeckt. Damit meine ich nicht, ihr sollt euch von Sahnetorten und Steaks ernähren, sondern gehe davon aus, dass ihr diesbezüglich schon auf dem richtigen Weg seid und schon herausgefunden habt, dass für euch Rohkost und Wildpflanzen wohltuend oder zumindest eine gute Wahl sind - sonst würdet ihr hier ja nicht mitlesen. Auch wenn noch zehnmal in den Büchern steht Rote-Beete-Saft wäre toll, so ist er es doch nur für diejenigen toll, die ihn auch vertragen. Ebenso gilt das für die Wildpflanzen, die einen lieben Gundermann, die anderen finden ihn muffig, wieder andere mögen Schleimstoffe, und dafür keine Senfölglykoside. Und da sollen wir so tun, als wären wir alle gleich? Das geht nicht für mich, deshalb werde ich auch in Zukunft weiter versuchen, es jedem meiner Klienten auch geschmacklich recht zu machen - so will es wohl auch die Natur. Und die hat bekanntlich immer recht.

Man sieht es kaum, aber links auf der Brotscheibe liegt auch noch Bitteres Schaumkraut (schmeckt aber eher nach Wasabi als bitter - oder wie schmeckt es euch?)