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Montag, Oktober 29, 2018

Herbstsonne, Flechten und Vitamin D


Ich wollte euch ja noch mehr aus dem Schönbuch erzählen. Und vor allem über das, was dort auf und an den Bäumen wächst. So sah es dort im Oktober bei unserer Wanderung aus:


Diese Bäume sahen eigenartig aus und stifteten ein bisschen Verwirrung. Aber keine Sorge, sie waren nicht wirklich krank, sie hatten nur ihre Blätter schon abgeworfen und jetzt sah man die darauf wachsenden Flechten.




Flechten sind übrigens gute Bioindikatoren und diese hier sprechen für gute Luftqualität.


Ich bin keine Flechtenspezialistin, aber das hier dürfte eine Parmelia-Art, vermutlich Parmelia sulcata sein. Sie gehört zu den Blatt-Flechten - schön, oder nicht? Und rechts das könnten kleine Bartflechten sein.


Flechten sind übrigens keine eigenständigen Organismen, sondern Symbiosen zwischen Pilzen und Algen. Symbiose, d.h. jeder profitiert vom anderen, die Vorteile der Symbiose liegt hier allerdings eher auf der Seite der Pilze, sie werden nämlich von den Algen mit Nährstoffen versorgt, die diese durch Photosynthese bilden. Aber die Pilze stellen den Algen ihre Körper zur Verfügung, schützen sie unter anderem vor zu rascher Austrocknung und vor UV-Strahlung. Die Symbiose ist sehr vielgestaltig und erstreckt sich auch auf die Vermehrung.
Es gibt sehr viele solcher verrückter Lebensgemeinschaften, die auch aus einem Pilz und mehreren Algen bestehen können, weltweit ca. 25.000.

Hier eine Strauchflechte, meines Erachtens nach das Eichenmoos, das wird übrigens als Basisstoff für Parfums genutzt und gehört zum Grundakkord aus Bergamott, Labdanum und Eichenmoos der Parfümgattung Chypre. Eine Flechtenart, die ich gerne auch zum Räuchern verwende. (Sammeln von Bäumen ist nicht erlaubt - s.u.)




Alles in allem ist es eine wunderbare Welt, in die man eintauchen darf, wenn man sich mit diesen Wesen beschäftigt. Und obwohl ich nicht plane Lichenologin zu werden, will ich da gerne noch mehr eintauchen. (Für Botanikerinnen ist das Leben leider zu kurz.)



Aber schon alleine deshalb, weil vegane Vitamin-D-Präparate aus Flechten hergestellt werden, sind sie für mich unglaublich spannend. Und im Winter verspüre ich immer den Drang sie zu verspeisen (was ich mit manchen Arten auch tue) - könnte man damit eventuell seinen Vitamin-D-Bedarf ausreichend decken? Aber Achtung: Sie stehen unter Naturschutz, von den Bäumen pflücken darf man sie nicht. Aber lest mal hier, was mit den Strauchflechten im Winter passiert...

Von einem Lichenologen habe ich noch den Hinweis bekommen, dass "viele Flechtensubstanzen leicht giftig sind. Viel ist darüber aber nicht bekannt, da viele Flechten bitter und hart sind und nicht wie Pilze massenhaft gesammelt werden und es daher auch nicht zu Vergiftungserscheinungen kommt.." (Danke Dir Felix!) Also seid zurückhaltend und versucht erst einmal klar zu ziehen, um welche Flechte es sich handelt und erst wenn ihr sicher seid, dass es ungefährlich ist, probiert. Giftige Flechtenarten, wie beispielsweise die durch Vulpinsäure giftige Wolfsflechte (Letharia vulpina) natürlich niemals verspeisen.

Und demnächst erzähle ich euch auch mal, was es mit dieser Pflanze hier links auf dem Bild auf sich hat - da geht es dann um Viren.




Samstag, Mai 21, 2016

Maispaziergang im Bannwald und am Moor

Unterm Birkendach in den Himmel zu schauen und Grün genießen - das ist der Mai.

Der Mai hat viele schöne Seiten. Aber am schönsten sind doch die Farben - das kann nur noch der Herbst toppen. Aber jetzt genießen wir erst einmal das zarte frische Maigrün überall. Ein Spaziergang neulich führte mich in den Schönbuch, dort war ich schon oft unterwegs, aber bisher noch nie im Bannwald und im Moor.


Bannwälder sind Wälder, die  sich wieder als Urwald entwickeln dürfen. Hier in Baden-Württemberg sind Bannwälder so genannte Totalreservate, das heißt sie werden vor menschlichen Einflüssen weitestgehend geschützt, per Rechtsverordnung wird jede Form der Nutzung verboten.

In Bannwäldern wird Urwaldforschung betrieben. Wie lange es dauert bis aus einem Nutzwald wieder Urwald entsteht, ist zum Beispiel eine der Fragestellungen. Bannwälder bieten Rückzugsmöglichkeiten für bedrohte Tierarten, Pflanzen und Pilze. Daher - und so steht es auch auf diesem Schild geschrieben - dürfen keine Pflanen entnommen werden und auch keine Früchte gesammelt werden. Besucher werden gebeten, auf den Wegen zu bleiben. Dieser Wald wurde schon 1993 als Bannwald ausgewisen, nachdem Stürme einen Teil der Bäume dort flachgelegt hatten. Nun will man wissen, wie er sich weiterentwickelt.


Im Moor sah es eigentlich noch gar nicht so grün aus...


aber beim genaueren Hinsehen:

Austrieb der Birke

Auch das Moos wird wunderschön grün im Mai.

Die bezaubernden Lärchen mit ihrem neuen Gewand.
Sogar die Pilze werden grün im Frühjahr - allerdings weil sie dann hinübergehen.
Zum Vergleich: Im Herbst sahen sie so aus.

Und morgen schauen wir uns dann an, was es an Essbarem im Mai zu finden gibt.