Freitag, Juli 29, 2022

Wie Corona mich lehrte, Spirulina zu lieben



Spirulina kenne ich seit Ewigkeiten, aber nie waren sie für mich so wichtig, wie während meiner Corona-Erkrankung im Frühjahr 2022. Als ich noch im Botanik-Institut an der TU München gearbeitet habe sind mir verschiedenste Algen häufig begegnet - vorwiegend unter dem Mikroskop - auch sogenannte fädige Blaualgen, Verwandte von Spirulina, die sich in Gewässern unterschiedlichster Art entwickelt haben und eher auf Probleme hinwiesen, also weniger gerne gesehen waren. 

Als ich Spirulina dann als Nahrungsmittel kennenlernte, hatte ich erst Vorbehalte - die nette einzellige Chlorella war mir die liebere - eine echte Grünalge, die nichts mit den fädigen Blaualgen gemein hatte - die ja eigentlich eine Form mehrzelliger Bakterien aus der Abteilung Cyanobakterien darstellen.

Spirulina hat aber zwei entscheidende Vorzüge in der Rohkostküche, die mich damals schon neugierig machten: Erstens können sie mit ihrem wunderschön blauen Farbstoff, Gerichten eine schlumpfähnliche Farbe verleihen und zweitens schmeckt sie  - das ist jetzt mein persönlicher Geschmack: nach Eigelb. Eigelbgeschmack, das war für mich so lecker, dass Spirulina zu einem Bestandteil meines Avocado-Eiersalats wurde in wild&roh.

Dennoch, ich blieb eher Chlorella treu als Nahrungsergänzungsmittel. Nur wenn ich Lust auf Eiergeschmack hatte, nutzte ich manchmal das Spirulina-Pulver, um Cashewnüsse damit einzupudern - wie ich finde ein hervorragender Snack. Dass ich aber Spirulina in unterschiedlichen Formen einmal pur und in großer Menge zu mir nehmen würde, damit hatte ich eher nicht gerechnet.


Es muss nicht ein ganzes Gericht sein - Spirulina kann auch nur auf eine Avocado gestreut werden.

Als ich vor einigen Monaten eine Probepackung Spirulina-Tabletten von for you ehealth zur Verfügung gestellt bekommen habe mit Spirulina aus deutschem Anbau war ich angenehm überrascht von dem leckeren Geschmack, der sich beim Lutschen in meinem Mund entfaltete - das war Eigelb mit Salz und feinen Gewürzen. Also lutschte ich doch ab und zu mal eine Tablette.

Nebenher habe ich ein bisschen recherchiert, was Spirulina sonst noch alles können soll: Beim Thema Eisen werde ich immer hellhörig - wer meine Geschichte kennt, weiß, dass ich darauf anspringe. Der Eisengehalt liegt bei 65,2 mg/100g - die Empfehlung zur Aufnahmen liegt bei 10-15 mg/Tag. Bei 10 Tabletten - was als Dosierungsempfehlung gerne angegeben wird, aber durchaus auch überschritten werden darf, würde man 2,6 mg Eisen aufnehmen - das wäre schon 1 Viertel des Tagesbedarfs.

Spirulina in Tablettenform zum Lutschen oder auch Schlucken, sollte jemand den Geschmack nicht mögen.

Auch nachdem ein Selbsttest im Winter mir Vitamin-K-Werte eher im unteren Normbereich bescheinigt hat, fand ich es nun super hierfür mit Spirulina eine natürliche Quelle zu haben - die Tagesportion von 10 Tabletten deckt ganze 58% des Tagesbedarfs. Soviel brauch ich gar nicht, ich bin ja meist gut versorgt durch die Wildpflanzen, aber das nehme ich gerne mit.

Spirulina sind außerdem reich an einfach (12%) und mehrfach ungesättigten (43,4 %)  Fettsäuren, und  eine gute Quelle für Gamma-Linolensäure (21,4 %).

Zu Spirulina gibt es mittlerweile auch einige Studien, die klar zeigen, wie gesund eine Nahrungsergänzung mit den fürs bloße Auge eigentlich unsichtbaren Algenspiralen sind; sie können

  • dem Immunsystem auf die Sprünge helfen
  • Blutzuckerwerte und Blutfettwerte senken
  • zur Linderung von Symptomen bei Allergien beitragen (das kann ich absolut bestätigen - ich hatte ja seit meiner Ernährungsumstellung auf Rohkost mit Wildpflanzen kaum mehr Anzeichen einer Reaktion auf Baumpollen, aber jetzt gibt es null Reaktion mehr auf die Pollen der frühblühenden Bäume)
  • die Bildung von roten Blutkörperchen verstärken und damit zum Beispiel Müdigkeit entgegen wirken
  • die Darmgesundheit fördern
  • das Herz-Kreislaufsystem stärken
  • Alterungsprozesse durch Antioxidantien verlangsamen
  • Entgiftungsprozesse unterstützen zur Ausleitung von Schwermetallen

Spirulina wird auch zur Bekämpfung von Mangelernährung eingesetzt - jetzt denkt man vielleicht, das wäre ein Problem vor allem in ärmeren Ländern. Leider ist es ein weltweites Problem und zwar überall dort, wo gesunde Nahrungsmittel nicht zur Verfügung stehen, nicht verwendet oder auf den Tisch gebracht werden. Unglaublich erscheint es fast, dass die Vereinten Nationen auf der World Food Conference schon 1974 Spirulina als bestes Lebensmittel der Zukunft bezeichnet haben. Seit 1984 gibt es die Idee, Mangelernährung bei Kindern damit zu bekämpfen. 1-3 g Spirulina über 4-6 Wochen täglich eingenommen, reichen, um leichte bis mittlere Symptome mangelernährter Kinder zu kurieren. Hierzu empfehle ich auch diesen Artikel von Jörg Ullmann.

Jörg Ullmann arbeitet als Geschäftsführer der größten Algenfarm Europas (daher, bzw. von  PureRaw hab ich meine Chlorella) und Algomed bietet neben PureRaw jetzt auch Clorella und Spirulina an - und zwar jeweils als Pulver, zum Streuen und als Flakes.


So, jetzt aber zurück zum Thema - was war jetzt eigentlich mit meiner Corona-Erkrankung? Zwei Jahre habe ich durchgehalten ohne Infektion. Im Frühjahr dann, als wirklich alle krank wurden, dachte ich, das kann nicht sein und habe einen Corona-Antikörpertest gemacht, mit dem Ergebnis: null Antikörper.

Ein bisschen habe ich mir Sorgen gemacht, weil ich schon dachte, ich würde mich dann doch bald mal anstecken. Aber zu diesem Zeitpunkt war ja schon klar, dass vor allem Vor-Erkrankte und Menschen mit unzureichender Versorgung schwer erkrankten. Zwei Wochen später war es dann soweit - Knödel im Hals - Test - positiv. Außer den ersten beiden Tagen mit heftigen Gliederschmerzen und einem lang anhaltenden Reizhusten hatte ich allerdings keine Beschwerden. Appetit hatte ich auch keinen, außer auf Spirulina und Wildpflanzen. Mein Husten war allerdings unangenehm, zusätzlich hatte ich das Problem, dass für den 4. Tag nach Erkrankungsbeginn schon wieder einen Online-Vortrag von 4 Stunden auf dem Programm stand. Ich habe vor allem auf bittere Naturheilmittel gesetzt - Neem-Pulver und selbst angebauten und geernteten Artemisia-Tee an erster Stelle, aber gegen den Husten halfen nur Spirulina. Zu der Tabletten von for you ehealth versorgte mich meine Freundin Kirstin von Pureraw mit ihren neuen Spirulina-Produkten, von denen ich vor allem die Flakes löffelweise gelutscht und geknabbert habe. 



Meinen Vortrag konnte ich halten - ohne Probleme und nach 9 Tagen war der ganze Spuk vorbei und das ohne jegliche Nachwirkungen.

Jetzt wäre es denkbar, dass mir mit Corona auch die Lust auf Spirulina vergangen wäre - im Gegenteil. Immer noch liebe ich den Geschmack, der jetzt für mich auch der Geschmack des gewonnenen Kampfes gegen das Virus ist. Und beim kleinsten Räuspern greife ich darauf zurück, um meine Stimme mit Spirulina zu schmieren. 

Ein Hoch auf all die Fettsäuren und Proteine darin - mir ist ganz egal, was dafür verantwortlich ist, vielleicht ist es auch nur der Algenfilm, der sich auf Mund und Rachen legt, aber ich bin für diese Entdeckung wirklich dankbar. Neugierig wäre ich natürlich schon und würde gerne wissen, welcher Inhaltsstoff oder Wirkmechanismus mir geholfen hat - kann das mal bitte jemand herausfinden? Auf jeden Fall ist zu den ganzen Wirkungen, die ohnehin schon positiv einzustufen sind, für mich noch eine dazu gekommen und ich empfehle allen Rednern und Sängerinnen, Lehrern und Sprecherinnern auch mal Spirulina zu testen.

Übrigens kann ich auch ohne Hustenreiz und ähnlichen Beschwerden schlecht ohne Spirulina sein. Und finde man kann ziemlich kreativ damit umgehen. Was ich empfehlen kann für alle, die sich beim Geschmack von Spirulina auch an Eier erinnert fühlen:

Spirulina-Brote - hier sind es Erdmandelschnitten mit veganer Butter und Spirulina zum Streuen,

bisschen Salz oder auch andere Gewürz drauf und


alles verstreichen:

Und gleich noch ein weiterentwickelter rohköstlicher Snack (ich habe ja oben schon die gepuderten Cashews erwähnt), der bei mir leider gar nicht lange hält (weil er sofort genascht wird):

Spirulina-Cashews

Dazu einfach Cashenüsse mit Spirulina-Pulver bestreuen, etwas Wasser dazugeben, umrühren und dann die Cashews mit der Algencreme trocknen lassen.



Lecker.

Übrigens: Alle der hier vorgestellten Produkte sind geschmacklich und bezüglich der Inhaltsstoffe  sehr empfehlenswert - probier einfach aus, welches dir am besten schmeckt.





Dienstag, März 01, 2022

Wann ist eigentlich Frühling? Die botanische Antwort.


Wenn die Kornelkirschen blühen, ist es ... ja, welche Jahreszeit ist es dann?

Wartest du auch schon auf den Frühling? Wann soll der eigentlich anfangen? Oder ist es gar schon Frühling? 

Manche sagen: Jetzt ist Frühling, andere warten noch darauf - warum eigentlich?

Das Problem mit der Einteilung der Jahreszeiten ist, dass unterschiedliche Wissenschaften unterschiedlich an die Sache rangehen:

Die Meteorologie teilen die Jahreszeiten der Einfachkeit halber in ganze Monate auf - das ist nicht sehr exakt, aber eben einfach. Der Frühling beginnt damit heute, am 1. März und endet am 31. Mai.

Die Astronomie erstellt den Kalender mit Hilfe des Sonnenstandes. So kommt es, dass der kalendarische Frühling, auch astronomischer Frühling genannt, genau dann beginnt, wenn zum Zeitpunkt der Tagundnachtgleiche, Tag und gleichlang sind. Die Neigung der Erdachse ist verantwortlich dafür, dass dann über dem Äquator die Sonne senkrecht - im Zenit - steht. Dann beginnt bei uns auf der Nordhalbkugel der Frühling - die Nordhälfte der Erdkugel wird dann von Tag zu Tag länger im Sonnenlicht sein und wir sind näher dran an der Sonne - weil die Erde halt schief steht, auf der Südhalbkugel beginnt der Herbst. Bei uns werden die Tage länger, auf der Südhalbkugel kürzer. Dieser Zeitpunkt der Tagundnachtgleiche fällt jedes Jahr auf den 19.20. oder 21. März - dieses Jahr ist es hier am 20.03.2022 um 16:33 soweit. So exakt rechnet also die Astronomie.

So und nun kommt die Botanik ins Spiel, wir rechnen quasi gar nicht - wir beobachten nur. Heißt: Wir schauen uns an, welche Entwicklungen in der Natur stattfinden, z.B. was gerade blüht und benennen die Jahreszeit, die gerade "herrscht" nach diesen Phänomenen. Daher nennen wir diese Art des wissenschaftlichen Herangehens "Phänologie".


Winterlinge sind auch hübsche Vertreteter des Vorfühlungs, aber giftig.

Der phänologische Frühling wird dabei aufgeteilt in Erstfrühling  - wenn die Forsythien blühen etwa - und den Vollfrühling, wenn die Apfelbäume blühen. Zwischen Winter und Frühling gibt es noch den Vorfrühling - in dieser Zeit blühen die Haselnuss, die Schneeglöckchen, die Weiden, Christrosen, Winterlinge, Krokusse, Huflattich, Leberblümchen, Schlüsselblumen, Kornelkirsche und der giftige Seidelbast. Wenn du also wissen möchtest, wann der Frühling beginnt, dann brauchst du einfach nur rauszugehen und nachzuschauen, was gerade blüht.

Jetzt sind wir also  - hier zumindest - im Vorfrühling, in wärmeren Gegenden geht er schon in den Erstfrühling über. Ich wünsche dir viel Spaß beim Frühlingentdecken draußen.

Mittwoch, Februar 09, 2022

8 gute Gründe, Schokolade selbst zu machen

Heute habe ich endlich mal wieder was Kulinarisches für euch:

Eine Schokolade, die richtig glücklich macht. Und das aus vielerlei Gründen, die ich hier mal versuche aufzuzählen:


1. Beste Zutaten - alle Zutaten sind aus Bioanbau und sind naürlich, roh und vegan.

     Werbung aus Begeisterung*: alle Zutaten sind von PureRaw.de

   

 Was du brauchst: 

20 g Kakaobutter

    


    - 80 g Kakaoliquor - so bezeichnet man die Masse, die entsteht, wenn Kakaobohnen zermahlen              werden




    - 20 g Kokosöl



    - 20 g Yaconsirup


   - 8 Tropen Hanföl

     (Anmerkung: Hanföl hat einen sehr speziellen Eigengeschmack - dieses hier mag ich gerne und             das könnte man auch höher dosieren - also probiere einfach aus, welche Dosierung dir schmeckt.)


2. Beste Inhaltsstoffe - wir alle wissen es, Kakao alleine macht schon glücklich wegen seines hohen Gehalts an Tryptophan - was zum Glückshormon Serotonin abgebaut wird. CBD - das Cannabidiol - hat neben zahlreichen anderen gesundheitlichen Wirkungen einen stimmungsaufhellenden  Effekt. Kokosöl ist nicht nur gesundheitlich wertvoll, sondern gibt der Schokolade auch einen schönen Glanz.

3. Gesunde Süßungsmittel sind nicht einfach zu finden, der Yaconsirup ist zwar teuer, aber sparsam verwendet aus meiner Sicht das beste aller Süßungsmittel, weil: geringster Kaloriengehalt, niedriger glykämischer Index, hoher Ballaststoffgehalt ...

4. Diese Schokolade ist ganz einfach herzustellen - du erwärmst die Kakaobutter und den -liquor - ich stelle sie dazu einfach auf die Heizung oder im Sommer an ein sonniges Plätzchen, wenn du beides nicht hast, empfehle ich ein Wasserbad mit sanften Wassertemperaturen von 45-50°C. Wenn beides  ganz geschmolzens ist, mixt du mit einem Pürierstab das Kokosöl und den Sirup und ganz zum Schluss das CBD-Öl hinein.

5. Die Schokolade ist ruckzuck fertig. Du streichst sie einfach hauchdünn auf Backpapier und legst das bestrichene Papier dann in den Kühlschrank oder in die Gefriertruhe. Nach wenigen Minuten kannst du die Schokolade in Täfelchen schneiden oder wenn du ein bisschen länger wartest auch in Stücke brechen und im Kühlschrank lagern.

6. Der Mengenbedarf ist sehr gering - da du hier Kakao in höchster Qualität und Konzentration zu dir nimmst, brauchst du nur ganz wenig Schokolade zu essen, um ein richtiges Schokohoch zu erleben.

7. Du produzierst deutlich weniger Müll als bei gekaufter Rohkostschokolade.

8. Du kannst Freunde und Nachbarn mit selbstgemachter Schokolade verwöhnen.

Achtung: Mein Rezept ist für Schokosüchtige gemacht - wer mehr auf Schmelz oder Süßeres steht, dem empfehle ich, zusätzlich Mandelmus und mehr Yaconsirup zu verwenden, dann wird die Schokolade cremiger und süßer.

Für heute erstmal: Viel Spaß beim Ausprobieren und gesunden Appetit.




                                    

            

Freitag, Dezember 24, 2021

Frohe Weihnachten 2021

Liebe Leserinnen und Leser,

es war ein ruhiges Jahr hier auf dem Blog, aber die letzten Tage gab es endlich wieder was zu lesen.

Jetzt ist Pause bis in der nächsten Woche. Euch allen ein frohes Fest. 



Donnerstag, Dezember 23, 2021

3 Goldene Regeln für Weihnachten

Gibt es so etwas wie "Goldene Regeln" für Weihnachten? Eigentlich sollte da doch alles eine Schwelgerei sein, oder nicht. Ich habe aber mehr Spaß, wenn es mir beim Schwelgen auch körperlich gut geht, deshalb kommen hier meine 3 Goldenen Regeln - heute mal weniger Text, dafür mehr Film :-)





Dienstag, Dezember 21, 2021

Wintersonnwende - dynamisches Geschehen

Heute ist Wintersonnenwende - genauer gesagt um 16.58 Uhr oder um 16:59 Uhr. Ja was denn nun, wann wird es denn wieder heller. Auf jeden Fall nicht um 17 Uhr, so viel ist sicher. 

Was will ich hier mit diesen Zahlen sagen? Ich will, dass er aufhört, dieser Glauben an Erlösung von jetzt auf gleich. 


Wenn ich eine Sache in diesem Jahr begriffen habe, dann ist es, dass wir Menschen uns schwer tun mit Geduld und unseren Erwartungen - ich besonders. Mein Leben verlief immer in Zyklen, zumindest bis vor einiger Zeit. Früher geisterte spätestens ab Juni in meinem Kopf das Mantra rum "an Weihnachten ist alles vorbei". Weihnachten, das war für mich immer die Idee von Nachhausekommen, um Geborgenheit in der Familie zu erfahren, Pause zu haben vom Stress des Alltags. Besonders während des Studiums war mein Fernziel jedes Jahr aus Neue, Weihnachten zu erreichen. Anfang November war jeweils der Prüfungszyklus zu Ende und schön langsam ging es dann auf Weihnachten zu. Die letzten Vorlesungen waren einige Tage vorher und dann hieß es: Kofferpacken, Plätzchen und Geschenke fertig machen und alles hinter sich zu lassen. Und dann war Weihnachten. Kirche, Familie, Freunde, alle in Hochstimmung. Aber nicht alle Weihnachtsfeste waren harmoni
sch, wie in jeder Familie wohl, dann hatte mein Weihnachtstraum Kratzer und ich hoffte auf Silvester, auf ein neues Jahr, auf den Frühling, auf Ostern, den Sommer und wieder auf Weihnachten. In Wirklichkeit änderte sich nichts - nie. Meine Illusion von Frieden und Harmonie hatte an Weihnachten zwar mehr Glitzer, aber sie wurde nie zur dauerhaften Realität. Trotzdem glaubte ich - nicht nur der Werbung und der Kirche -  dass es eine besondere heilige Zeit ist, diese Weihnachtszeit. 

Aber seien wir doch mal ehrlich. Haben wir nicht in den letzten zwei Jahren gelernt, dass es keine Erlösung gibt? Dass wir halt einfach durchmüssen durch die Wellen. Immer wieder hörten wir vom "dynamischen Geschehen", und wurden von den dagegen zu setzenden Maßnahmen aus unserer Ruhe, unserem durchgetakteten Alltag gerissen. "Dynamisch" bedeutet in der Physik "die von Kräften erzeugte Bewegung betreffend", allgemein versteht man darunter, dass etwas "eine Bewegung, Entwicklung aufweist". Die "Kräfte" haben uns anfangs überrascht, mittlerweile kennen wir sie zu genüge. Sie haben mir nicht nur Weihnachten versaut. Sie haben mich geheilt. Ja, soweit würde ich mittlerweile gehen, zu sagen, dass es ein gewisser Heilungsprozess war, den ich erfahren habe. Ich erwarte nun gar nicht mehr, dass etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt anders wird - oft genug kam es ja anders, aber halt auch anders, als erwartet. Das hat nach einer gewissen Zeit des Trainings bei mir einen Sinneswandel ausgelöst. Dynamisches Geschehen erfordert auch eine Dynamik der Anpassung. Ja, ich habe mich weiterentwickelt und nach anfänglicher Wut darüber, dass ich so aus meiner Ruhe und dem Glauben und Hoffen, gerissen wurde, habe ich mich der Dynamik hingegeben. Geschaut, was, unter welchen Bedingungen möglich ist. Ich habe Menschen gefunden, die offen geblieben sind, Toleranz in alle Richtungen bewiesen haben und selbst in Zeiten schwerer Einbußen, ihre Freundlichkeit nicht verloren haben. Mit ihnen zusammen und von ihnen durfte ich lernen, dass das Warten auf Erlösung uns viel zu sehr davon abhält, heute aktiv zu werden und gute Dinge auf den Weg zu bringen.

Warum erzähle ich das alles? Weil ich der Meinung bin, dass wir viel zu sehr fixiert sind auf Zeitpunkte. Und wenn ich heute lese, dass es ab 16:58 Uhr oder 59 - je nach Quelle - wieder heller werde, dann hat da jemand nicht verstanden, dass es erst einmal gar nicht heller wird, dass es erst einmal dunkel bleiben wird, nicht nur weil es um 17 Uhr sowieso dunkel wird. Nein, 2-3 Tage bleibt die Tageslänge etwa gleich, die übrigens unterschiedlich lang ist - in Berlin sind es 7 Stunden und 39 Minuten und hier 8 Stunden und 16 Minuten. Und wenn man überlegt, was wir wahrnehmen können, also nicht die Sekunden zählt, dann spüren wir erst in 1-2 Wochen etwa, dass es wieder aufwärts geht. Dynamik kann uns halt auch ganz schön langsam erscheinen. Dennoch, dass es passiert, dass die Tageslänge wieder ganz langsam zunimmt, das ist sicher.

Das ist eine Erfahrung, die schon unsere ältesten Vorfahren gemacht haben: Nichts bleibt wie es ist, alles ist in Bewegung. Und für sie muss diese Zeit im Winter wirklich unwirtlich gewesen sein. Das heißt nun nicht, dass wir die Feste nicht feiern sollen und dafür muss keine Zeitpunkte  benennen sollen. Aber vielleicht können wir es "dynamischer" angehen und lieber unsere Trägheit im Kopf überwinden. Wenn wir uns ein bisschen mehr mit der Welle treiben lassen, kommen wir vielleicht weiter, als wenn wir all unsere Kraft aufwenden, um gegen den Strom zu schwimmen.

Wir brauchen uns nicht ganz so wichtig zu nehmen, egal wie klein ein Licht ist, man muss es nicht künstlich vergrößern, damit es Großes leisten kann - auch kleine Lichter können hell scheinen. Also feiern wir - jeden Tag - heute die Wintersonnenwende, am 24. Weihnachten, Silvester - so wie es halt gerade möglich ist. Und wir wissen ja alle: Die Feste, von denen man sich nichts erwartet, werden meistens die besten. In diesem Sinne: Happy Winter Solstice 2021!

Und hier im Interview gibt es noch die ultimativen Tipps für ein gesundes Weihnachtsfest

Donnerstag, Dezember 09, 2021

Im Regen am winterlichen Fluss




heute ein Auszug aus meinen Programminfos:

Liebe Wildpflanzenfreundin, lieber Wildpflanzenfreund,

gestern durfte ich mich für ein paar intensive Stunden den Geheimnissen eines alten Gartens widmen und erahnen und vorfühlen, welches Wildpflanzenparadies daraus entstehen könnte.
Er hat es mir nicht leicht gemacht, der Garten, mich verwirrt mit seinen alten Geschichten und Bewohnern. Von einem Teil konnte ich zudem dessen zukünftigen Charakter nicht klar sehen, zu verdeckt war die alte Quelle und ihre sprudelnde Energie. Es war schön, aber auch anstrengend, zu erkennen, welche Schritte nacheinander gegangen werden müssen, um aus dem Garten einen Wohlfühlplatz werden zu lassen.
 

Nun plane ich schon lange keine Gärten mehr, wie ich das früher gemacht habe, ich habe es aufgegeben, mich architektonisch den Gartenwünschen anzunähern. Mein Ansatz heute ist, die Nutzer:innen und Bewohner:innen mit ihrem Garten zu verbinden, ich zeige ihnen die Schätze und auch die Verletzungen auf ihren Grundstücken und wir erschaffen daraus gemeinsam eine Vision für den Garten. Den Rest erledigen die Fachleute aus dem Garten- und Landschaftsbau oder die Gartenbesitzer:innen selbst, aber auch sie müssen erst die Stimme des Gartens wahrnehmen, die Vision erkennen, um aus einem Platz, einen Erholungsort, einen Schutzraum, eine Speisekammer, eine Schatzkammer der heilenden Pflanzen und ein kleines Paradies behutsam bauen zu können.
Meine Aufgabe ist es nur, die Mittlerin zu sein.

Genauso verhält es sich mit den Ernährungsberatungen, ich habe keine fertigen Lösungen, die ohnehin nicht für jede/jeden passen würden. Wir arbeiten gemeinsam an Ideen und entwickeln Strategien, wie die gesunde Ernährung genau jetzt und passend zur jeweiligen Person aussehen kann, mit Wildpflanzen und Rohkost.
Und auch bei den Jahreskursen, die im Februar schon wieder zu Ende gehen, durfte ich wieder einmal feststellen: Ich bin nur die Vermittlerin, die die Pflanzen den Teilnehmer:innen vorstellt, sie miteinander
bekannt macht, ihre Eigenheiten versucht zu vermitteln. Aber wer sich mit wem besonders intensiv verbindet, das habe ich nicht in der Hand und es erstaunt mich immer wieder, welche Verbindungen da zwischen Menschen und Pflanzen eingegangen werden und welche auch einfach nicht.


Im Anschluss an meine Arbeit in dem Garten gestern, bin ich im Regen und der Dämmerung noch spazieren gewesen. Anfangs war es noch hell genug in dem verwunschen erscheinenden Flusstal. Das frische Wintergrün der Moose, Wasserlinsen, Kräuter, das Rot und das Grau des Buchenwaldes und das Gelb der Gräser leuchteten geradezu. Mein Begleiter hat sich lustig gemacht über meine Begeisterung für all die Winterfarben. Für mich war es ein Loslassen nach der Konzentration, ein Freilaufen nach der Fixierung auf den Garten und ein Genuss, das zu spüren. Von weitem grüßte uns der Garten in der Dunkelheit noch mit kleinen Weihnachtslichtern und ich wusste, alles ist gut.

Nicht oft gelingt es mir, die geliebte Arbeit so effektiv loszulassen und aus der aktiven Rolle in die Entspannung zu gehen, aber wenn, dann findet das meistens draußen und in Bewegung statt.
Daher meine Empfehlung heute: Geh raus, lass los, genieße - auch den grauen Tag und den Regen, dann kannst du auch die Farben sehen. 

Sonntag, August 29, 2021

Getragen von und durch die Natur


Heute morgen bin ich aufgewacht und fühlte mich anders als sonst. Die letzten Wochen habe ich mich immer hin- und hergerissen gefühlt zwischen all den Erkenntnissen und Unkenntnissen zu den  Ereignissen. Die Situation in Afghanistan, die Gesundheitspolitik im Umgang mit der Bedrohung, die wir in dieser Form bisher nicht gekannt haben, der Umgang mit dem Finden von Lösungsansätzen dazu, die klimabedingten Ereignisse in allen Teilen der Welt ... Es scheint, als wollten die Herausforderungen nicht mehr aufhören; ich habe mich am Tag tausendfach versucht innerlich zu positionieren. Und ich war immer unzufrieden mit meinen Positionen, konnte selten zur Ruhe kommen und mit mir im Einklang sein. Ich habe die Meinung anderer, als versuchte Einflussnahme von außen wahrgenommen und manchmal als Manipulation empfunden, weil sie meine Gedankengänge gestört haben und habe mich einfach unwohl gefühlt.



Heute morgen war das anders, was vielleicht auch am gestrigen Tag und den Erfahrungen liegen mag, die ich auf unserer botanischen Genusswanderung mit den Teilhmer:innen machen durfte. Die Gruppe war sehr heterogen zusammengesetzt, der größte Unterschied bestand sicher in der Ernährungsform, von Rohköstlerinnen bis überzeugten Fleischessern, war alles vertreten was das Ernährungsspektrum hergibt.

Wirbeldost  - Clinopodium vulgare

Aber auch andere Themenfelder waren heterogen besetzt. Geimpfte Personen und ungeimpfte, Menschen, die auf den technischen Fortschritt als Lösung für den Klimawandel setzen, welche, die auf bessere Kommunikation hoffen und andere, die glauben, wir müssen ganz anders vorgehen. 

Natürlich standen die Natur und die Wildpflanzen im Mittelpunkt, aber auch Themen wie die Waldbewirtschaftung, Flächenversiegelung oder Naturschutz beispielsweise. Auch haben wir beim rohköstlichen Picknick über die verschiedenen Ernährungsformen und Gesundheit gesprochen. Ich möchte sagen, zum Schluss wussten wir gegenseitig mehr übereinander, zumindest, was die grobe Richtung anbelangt. Und alle hätten einige Unterschiede zu den jeweils anderen aufzählen können.

 

Mycelis muralis - der Mauerlattich

Jetzt ist es natürlich keine große Leistung, gemeinsam und in gegenseitigem Respekt einen Tag in der Natur zu verbringen, so lange kann man die Andersartigkeit der Gefährten wohl aushalten, möchte man meinen. Tatsächlich aber erlebe ich im Alltag aber oft auch das Gegenteil. Menschen, die sich nicht mehr zuhören, weil sie nicht mehr die Meinung ihres Gegenübers hören wollen, die auf der Suche sind nach Gemeinsamkeit und nicht konfrontiert werden möchten mit der Andersartigkeit. Das habe ich gestern aber nicht erlebt, wir waren 8 Menschen, aus unterschiedlichsten Lebenswelten, die einen Tag genutzt haben, um die Schönheit der Natur und ihre Großzügigkeit zu genießen, die sich verhalten haben, als wären sie Pflanzen, die um ihr  eigenes Wachstum bemüht sind, aber die anderen auch neben sich in deren individueller Ausprägung sein lassen. Wir haben gemeinsam uns gefreut an den wunderschönen Ausblicken, haben uns nicht vom Regen irritieren lassen, haben versucht die Zusammenhänge in der Natur nicht nur zu verstehen, sondern sie auch wirken zu lassen und hatten einen wunderschönen Tag. 

Heute geht mein Dank daher an 7 tolle Menschen, die an gestern mit mir unterwegs waren und mich dabei gefühlt getragen haben mit meinen Zweifeln und Bemühungen, meine kleine Welt ein bisschen besser zu machen. Die das von mir zubereitete rohköstlich, vegane Essen genossen haben und aufmerksam waren, wenn es um die Pflanzen und ihre Eigenschaften ging und auch um die Bedrohungen, denen sie und die Natur ausgesetzt sind.

Danke - ich habe mich sehr wohlgefühlt mich euch und der erste Gedanke heute morgen ging an euch und den wunderschönen Tag, den ich gestern mit euch verbringen durfte. Und das Wohlbefinden von gestern war immer noch da.

Freitag, August 13, 2021

Trinkbares Mineralienbad mit Erdbeergeschmack

Wie sich Basenpulver zum Trinken in der Badewanne macht, oder ein kleiner Einblick in meinen Arbeitsalltag: 


Neben der Organisation und Durchführung meiner Exkursionen zum Thema essbare Wildpflanzen, spielt auch die Forschung und Beratung zum Thema Ernährung eine große Rolle bei meiner Arbeit. Im Zusammenhang damit teste ich auch ab und zu Produkte. Früher war ich der Meinung, all die Superfoods und Hilfsmittel braucht niemand, habe diese Meinung allerdings nach viel Erfahrung in der Ernährungsberatung mittlerweile geändert. Ich habe gelernt, dass es nicht allen Menschen leicht fällt, viel Rohkost und vor allem essbare Wildpflanzen in ihren Ernährungsalltag zu integrieren. Das wäre natürlich meine Idealvorstellung, aber das schaffen nicht alle.

Auch wenn sogenannte Nahrungsergänzungsmittel nur Krücken sind und nie dieselbe Wirksamkeit bieten können, wie das Original - die essbaren Wildpflanzen, die uns mit Mineralien und Vitaminen und zudem Sekundären Pflanzeninhaltsstoffen versorgen - können sie für manche Menschen sehr nützlich sein. Und aus diesem Grund probiere ich immer mal wieder solche Produkte aus, auch um herauszufinden, ob ich selbst sie mögen und nützen würde.

Selten, aber doch immer mal wieder ist da auch etwas dabei - wie bei den Produkten von for you eHealth - deren Wildkräuter und Bitterkräuter ich sehr gerne mag und auch empfehlen würde. *Werbung aus Begeisterung Dazu vielleicht in einem anderen Beitrag noch mehr - wenn du magst (freue mich über Rckmeldungen!).

Ab und zu geht aber auch mal was richtig schief, will sagen: Schmeckt mir gar nicht, würde ich nie essen wollen. So geschehen mit dem "Natürlichen Basenpulver" von for you eHealth, was entwickelt wurde zur Unterstützung gegen Übersäuerung als Kombination aus basischen Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen. So soll es, laut Hersteller unter anderem zur Verringerung der Müdigkeit beitragen. Das Basenpulver ist frei von künstlichen Aromen und Süßungsmittel und soll mich mit Vitamin C und D, den Mineralstoffen Kalium, Natrium, Magnesium, Calcium, Eisen, Zink Kupfer, Chrom, Selen und Molybdän versorgen, außerdem ist Acerola-Extrakt und die Aminosäure Glycin enthalten.

Liest sich nicht schlecht, und da es alle meine persönlichen Kriterien, wie zuckerfrei, vegan, frei von Gentechnik etc. auch erfüllt, dachte ich, ich teste das mal. (Danke an for you, für das Produktmuster!)



Also: Pulver in Wasser angerührt und... aaaahhh, der Geschmack - nichts für mich - leider. Ich bin superempfindlich, was Gerüche angeht, auch natürliche Aromen können mir richtig zu schaffen machen. Also Trinken konnte ich es nicht. Ohne das Aroma, das mich entfernt an Erdbeere erinnert, wäre es wahrscheinlich leichter gewesen. Aber so: Schade drum, was mach ich denn nun damit, war meine Überlegung.

Das wäre allenfalls was fürs Badewasser, als Basenbad sozusagen. Basenbäder werden ja sehr angepriesen, bestehen aber oft nicht aus gezielt zusammengemischten Basen, sondern aus Salzen und Mineralerden, die basisch sind. Aber wäre die Nutzung möglich oder klebt dann alles an mir?

Ich habe es einfach ausprobiert - hier war der Duft in Ordnung und das Wasser wurde tatsächlich angenehm weich - richtig erholsam. Und meine Haut war begeistert. Verschwendet ist es übrigens auch nicht, Basenbäder sind nämlich nicht billig.


Und was am schönsten ist: Meine Enkelkinder lieben es auch. Statt irgendwelchen Badeschaum oder färbende Badeprodukte zuzugeben, gibt es bei uns jetzt halt ein Erdbeerbad. Das ist mir um so viel lieber als die sehr teuren, aber wenig brauchbaren Badezusätze. Zumal ich keinerlei Reinigungsmittel in Form von Duschbädern oder Ähnlichem verwende. Und ich muss jetzt nicht mehr Nein sagen, zum Spaß in der Badewanne. Und wenn sie, was Kinder sehr gerne tun, das Wasser beim Spielen verschlucken, kriegen sie allenfalls ein paar Mineralien und Vitamine extra ab. Sehr gut.


Mittwoch, August 11, 2021

Autorität und Verantwortung - persönliche Grenzen

Als Vermittlerin von Wissen, Pflanzen"lehrerin", Vertrauensperson in Sachen Ernährung und Wildpflanzen ist meine größte Herausforderung und wichtigste Übung der Umgang mit Autorität. Keine Lehre ohne Autorität, ohne Einflussnahme, die auf Tradition und Können und dadurch erworbenem Ansehen beruht. Faktoren, die einem Macht verleihen, aber auch dazu verleiten können, sich zu vergaloppieren. 

Autorität ist - ob man will oder nicht - mehr oder weniger immer natürlicherweise vorhanden, wenn man anleitet, lehrt und führt. Aber wie übt man sie aus, ohne zu dominieren und darauf zu bestehen, zu wissen was gut für andere ist?



Meistens fällt es mir leicht, ich weiß, dass ich nur die Vermittlerin des Wissens über die wilden Pflanzen und der Erfahrung zum Thema Ernährung bin, die mir geschenkt wurde. Aber angesichts von Entwicklungen, Vorgängen, die nicht meinem Bild einer sinnvollen Lösung entsprechen, fällt es mir oft schwer, loszulassen und andere ihren Weg gehen zu lassen. Das ist vergleichsweise einfach, wenn es sich um das Tun von Einzelpersonen handelt, fällt mir aber schwerer, wenn ich es als gravierend für uns Menschen allgemein einstufe. Es braucht ja niemand zu glauben, er bliebe beispielsweise vom Klimawandel unberührt - sollten wir da nicht langsam mal in die Puschen kommen?

Ich weiß, wir müssen am ganz großen Rad drehen und das, was ich und viele andere Menschen seit vielen Jahren versuchen ökologisch richtig zu machen, ist nichts wert, im Vergleich zu dem, was passieren könnte, wenn wir politisch große Entscheidungen fällen würden, die weitreichende positive Folgen haben könnten. Ich kann mich abstrampeln und meinen Mitmenschen und Klienten dasselbe empfehlen, allein, es wird beim Strampeln bleiben, wenn sich das große Rad nicht dreht. 

Was also tun? Endlich loslassen und aufgeben? Oder doch weiter die Möglichkeiten der eigenen Autorität im kleinen Rahmen nutzen? Ich muss zweigleisig fahren oder besser mehrgleisig. Ich muss aufgeben und weitermachen in einem. Ich muss mit meiner Energie haushalten und trotzdem Gas geben. Ich muss nichts - ich will alles. 

Vielleicht reicht es zur Erholung, mal eine Runde auszusteigen aus dem (Gedanken-) Karussell und sich ein Stück weit treiben zu lassen, Energie zu tanken, Freiheiten zu genießen, um an entscheidender Stelle dann wieder Verantwortung zu übernehmen. Ich bin der Überzeugung, wir alle haben Verantwortung für das, was wir tun oder nicht tun. Aber wir haben keine Verantwortung für das, was andere tun oder nicht tun. Dieser Gedanke entspannt mich einerseits und gibt mir Kraft andererseits. In diesem Sinne nutze ich den heutigen Tag, um jedem/r seine/ihre Verantwortung zu lassen - morgen stehe ich wieder in der Verantwortung und versuche mein Bestes zu geben.