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Mittwoch, April 27, 2016

Es stand in der Zeitung... von Bärlauch und Maiglöckchen

Es stand in der Zeitung, es kann aber auch wahr sein. Wie alt ist dieser Spruch?

In der Stuttgarter Zeitung stand letzte Woche Folgendes:


Tja, was sagt man dazu? Das haben mich einige Wildpflanzenfreunde gefragt und mir dankenswerter Weise den Artikel geschickt. Ehrlich, was soll man/ich dazu sagen? Das ist so eindeutig ein Fall von "Darf nicht passieren - kann aber passieren." So etwas gibt es. Und wer den Alltag in Zeitungsredaktionen heutzutage kennt, der weiß, dass es dort nicht nur Zeitdruck gibt und dass unterschiedliche Personen für Bilder und Texte verantwortlich sind. Und wir wissen alle, dass Menschen Fehler machen können. Nein, ich möchte jetzt nichts schönreden, dieser Ausflugshinweis hätte in Kombination mit dem Bild und der Bildunterschrift nicht gedruckt werden dürfen, das wissen die Verantwortlichen auch. Aber: Das ist ein Veranstaltungshinweis in einer Zeitung und keine Beschreibung zur botanischen Bestimmung von Bärlauch, wer sich auf solche Hinweise verlässt und womöglich mit dem Bild in der Hand Bärlauch sammeln gehen will, der setzt einfach auch aufs falsche Pferd.

Wie oft stelle ich fest, dass Menschen im Internet in fragwürdigen Foren nach Pflanzenbeschreibungen oder nach Pflanzenbildern suchen. Und was das Internet hergibt, wenn es um Pflanzenbestimmung oder Einordnung von Giftpflanzen geht, ist einfach zu einem großen Teil Mist.
Natürlich gibt es dort auch Brauchbares zu finden, aber eben nur, wenn man weiß, wie man die Qualität der Informationen einstufen muss. Ich finde es immer amüsant, wenn Menschen glauben, sie könnten Botanik einfach mal so nebenher lernen - da frage ich mir dann immer, warum ich das studieren musste und mich immer noch laufend weiterbilden muss. Physik will ja auch keiner im Internet lernen und ich habe dort auch noch nie einen verlässlichen Bauplan für ein Atomkraftwerk gefunden.

So jetzt aber nochmal zusammengefasst, was ich damit sagen will: Jede/r, die/der Wildpflanzen sammeln will, sollte sich ernsthaft damit auseinandersetzen und nicht darauf setzen, dass es mit dem Lesen der Tageszeitung getan ist. Eigenverantwortung ist das Zauberwort.

Dennoch bin auch ich der Meinung: Bärlauchtext + Maiglöckchenbild geht natürlich gar nicht. Das hat die Stuttgarter Zeitung aber auch schnell gemerkt und hat am nächsten Tag die Verwechslung richtiggestellt.



Danke, dass ihr da draußen so gut aufpasst und mir das gezeigt habt und vielen Dank für die beiden Fotos. Sicher haben auch ganz viele Zeitungsleser das gesehen und ihre Nachbarleser, Freunde etc. darauf aufmerksam gemacht. Sehr gut, wir wissen also doch wie es geht. In solchen Fällen hilft nicht nur Eigenverantwortung, sondern auch Schwarmintelligenz.

Wer außerdem noch lernen möchte, wie sich der Bärlauch von der Herbstzeitlose (tödlich giftig) und dem Aronstab unterscheiden lässt, kann am Samstag oder Sonntag noch mit zur Exkursion kommen - alle Termine findet ihr auf meiner Homepage unter Seminare.



Mittwoch, Mai 20, 2015

Sprechende Blümchen und verwechselbarer Bärlauch

Ich erzähle euch heute ein bisschen vom Seminar in Bad-Wörishofen im April. Damit ich ein weiß, was die Teilnehmer erwarten oder auch schon wissen, machen wir zu Anfang immer eine kleine Kennelernrunde, zu der jede/r ein Pflänzchen mitbringt. So entsatnd im April ein bunter Teller mit Frühlingsblüten und -kräutern. Für mich ist es wichtig zu wissen, mit welchen Erwartungen und Hoffnungen wir starten, nur dann kann ich auf alle Wünsche eingehen und nicht nur Pflanzen- und Rohkostwissen vermitteln, sondern auch ein bisschen hinter die Kulisse schauen und die tieferliegenden Wünsche erahnen. Pflanze verraten so viel über uns und die Verbindung mit ihnen heißt für viele auch, die Verbindung zu sich selbst wieder aufzubauen.


Blüten und Grün: Primelchen, Gänseblümchen, Labkraut, Giersch, gefolgt von Löwenzahn, Brombeer- und Veilchenblättern und dem Scharbockskraut - eine typische Frühjahrsmischung.


Während die Teilnehmer meiner Gruppe auf der Suche nach wilden Pflanzen waren (im Hintergrund) - betrieben andere ihre Übungen zur Körperertüchtigung.


Und auf den Exkursionen ging es natürlich zur Sache. Ich gebe zu, es war ein bisschen herausfordernd, hier zu fragen, welche Pflanze das wohl ist, nachdem wir alle Merkmale für Bärlauch gelernt und geübt hatten. Die meisten tippten auf Herbstzeitlose, es war aber tatsächlich Bärlauch, der hier ein ungewöhnlich üppig und dicht wächst.  Aber besser so als andersrum verwechseln - so verpasst man höchstens Genuss, während es andersrum lebensgefährlich werden kann. Und für mich ist es schön zu sehen, dass es gut ist, mit den Teilnehmer/innen immer wieder zu üben, denn auch ausgebildete Kräuterführerinnen ließen sich hier in die Bärlauchfalle locken. An dieser Stelle sage ich mal "Sorry, Ihr Lieben" :-)

wirklich untypisch und nur bei genauem Hinsehen und Merkmaleprüfen gut erkennbar - der Bärlauch
Alle wichtigen Merkmale und Verwechslungsmöglichkeiten findet ihr in Meine liebsten Wildpflanzen - rohköstlich beschrieben.

Mittwoch, März 04, 2015

Der Bärlauch ist da - aber bitte nicht verwechseln!

 
Endlich ist der Bärlauch wieder in einer Größe zu finden, in der sich die Ernte auch lohnt. Ich habe mich vergangenes Wochenende noch mit den sehr kleinen Blättchen begnügen müssen. Aber gerade an denen kann ich euch ein Bestimmungsmekrmal zeigen, dass eindeutig auf den Bärlauch hinweist und ihn deutlich vom Maiglöckchen beispielsweise unterscheidet. Der gut gemeinte Tipp, auf den Geruch zu achten, ist leider kein guter Rat - wer schon den Bärlauchgeruch an den Fingern hat, kann nicht mehr unterscheiden, ob der von einem gepflückten Blatt oder von den Fingern kommt.


Hier könnt ihr es eindeutig erkennen - die Bärlauchblätter sind zur Rückseite hin von beiden Seiten eingerollt, wenn sie aus dem Boden kommen - das Maiglöckchenblatt ist dagenen eingerollt wie eine Zigarre.

rechts ein ganz junges Bärlauchblatt von der Rückseite her betrachtet

Es gibt noch mehrere solche zuverlässigen Bestimmungsmerkmale, die wir auf den Exkursionen - sozusagen am lebenden Objekt - mehrfach üben. Wir vergleichen dann auch mit dem hochgiftigen Aronstab und der tödlich giftigen Herbstzeitlose (welche direkt daneben wachsen), so dass Verwechslungen ausgeschlossen werden können.

Alle Termine findete ihr unter www.christine-volm.de unter "Seminare".

Auch in  "Meine liebsten Wildpflanzen - rohköstlich" werden der Bärlauch und die leicht zu verwechselnden Arten ausführlich beschrieben - außerdem findet Ihr dort auf Seite 42 das Rezept für die unwiderstehliche Frühlingskräutercreme, die natürlich mit Bärlauch zubereitet wird.


http://www.amazon.de/gp/product/3800178532?adid=040G12ZE08AXFJD0GPYX&camp=1410&creative=6378&creativeASIN=3800178532&linkCode=as1&ref_=as_li_tf_til&tag=maxtremefoto-21

Sonntag, April 06, 2014

"Zurück zum Ursprung" - Aronstab im Bärlauch bei Hofer (Aldi)

Ihr Lieben. Gestern war wieder Detox, Baby!-Seminar und wir waren wie üblich draußen unterwegs und haben auch Bärlauch gesammelt und anschließend verarbeitet. Und wie immer haben wir uns auch die Blätter der tödliche giftigen Herbstzeitlose angeschaut und die des Aronstabs, die zu schlimmen Verletzungen der Schleimhäute führen können.
Mein wichtigstes Thema beim Wildpflanzensammeln ist Achtsamkeit, Achtsamkeit und Achtsamkeit.
Es geht nicht darum, Angst zu machen, aber es geht darum die Wildpflanzen und ihre Wirkungen ernst zu nehmen. Deshalb informiert Euch, lernt die Pflanzen kennen und pflückt bewusst. Sonst kann es Euch gehen wie der Firma Hofer (österreichische Variante von ALDI) und ihr pflückt die jungen Aronstabblätter, die immer wieder in Bärlauchbeständen verstreut sind, mit. Die älterern Blätter verwechselt wohl keiner, aber die kleinen, jungen, die sind nur beim genauen Hinschauen zwischen dem Bärlauch zu erkennen. Wahrscheinlich haben die bei Hofer meinen Blogeintrag von neulich nicht gelesen.
Sonst wäre das nicht passiert:

(c) Hofer
Auf der Webseite schreibt Hofer dazu:

Liebe Kundinnen und Kunden,

Bärlauch aus Wildsammlung, Marke: Zurück zum Ursprung, Lieferant: Marchfeldgemüse GmbH, ist aufgrund einer möglichen Verunreinigung mit Aronstab-Blättern nicht zum Verzehr geeignet!
In einer amtlichen Probe des Produktes Bärlauch aus Wildsammlung wurde neben Blättern von Bärlauch ein Teilstück eines Aronstab-Blattes nachgewiesen. Aronstab gilt als giftig und kann beim Verzehr Reizungen der Schleimhaut, Brennen im Mund- und Rachenbereich sowie Übelkeit und Erbrechen auslösen. Untersuchungen weiterer Packungen haben keinen Nachweis von Fremdpflanzen erbracht. Dennoch veranlassen der Lieferant, die Marchfeldgemüse GmbH und die Hofer KG im Sinne des vorsorglichen Verbraucherschutzes einen Rückruf des Produktes.
Das Produkt war ab dem 11.03.2014 vorübergehend in einigen Filialen der Hofer KG erhältlich. Der Verkauf des Produktes wurde sofort gestoppt.
....Bitte entschuldigen Sie die Unannehmlichkeit!
Ihre Hofer-Filiale

Mehr zum richtigen Umgang mit den Wildpflanzen, könnt ihr in meinen Büchern nachlesen, oder ihr kommt einfach mal mit auf Exkursion. Übrigens blühen nun schon die ersten Doldenblütler und auch hier ist Vorsicht geboten. Also geht raus, lernt die Pflanzen kennen und macht sie euch vertraut, dann ist alles in Kokosbutter.
Übrigens gleich noch ein Hinweis: Das Bestimmen der Pflanzen ist ein Teilbereich der Botanik und damit eine Wissenschaft und kann nicht mal eben im Vorbeigehen gelernt werden. Was ich auf Führungen mit den Teilnehmern übe, ist das Wiedererkennen, das kann auch jeder Laie lernen. Alle Pflanzen aber, bestimme ich zuerst, um sicher zu sein, dass es sich um genau diese Pflanze handelt und nicht um irgendeine so ähnlich aussehende. Das ist die Grundlage, erst dann kann entschieden werden, ob diese Pflanze giftig oder essbar ist.
Es gibt derzeit so viele Angebote für Führungen. Schaut, dass ihr Euch von wirklich qualifizierten Menschen die Pflanzen nahebringen lasst. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es lange dauert, bis man wirklich gut sieht und auch die kleinsten Merkmale wahrnimmt. Habt Geduld und nutzt am Anfang einfach die Pflanzen, die ihr sicher erkennt.