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Dienstag, März 01, 2022

Wann ist eigentlich Frühling? Die botanische Antwort.


Wenn die Kornelkirschen blühen, ist es ... ja, welche Jahreszeit ist es dann?

Wartest du auch schon auf den Frühling? Wann soll der eigentlich anfangen? Oder ist es gar schon Frühling? 

Manche sagen: Jetzt ist Frühling, andere warten noch darauf - warum eigentlich?

Das Problem mit der Einteilung der Jahreszeiten ist, dass unterschiedliche Wissenschaften unterschiedlich an die Sache rangehen:

Die Meteorologie teilen die Jahreszeiten der Einfachkeit halber in ganze Monate auf - das ist nicht sehr exakt, aber eben einfach. Der Frühling beginnt damit heute, am 1. März und endet am 31. Mai.

Die Astronomie erstellt den Kalender mit Hilfe des Sonnenstandes. So kommt es, dass der kalendarische Frühling, auch astronomischer Frühling genannt, genau dann beginnt, wenn zum Zeitpunkt der Tagundnachtgleiche, Tag und gleichlang sind. Die Neigung der Erdachse ist verantwortlich dafür, dass dann über dem Äquator die Sonne senkrecht - im Zenit - steht. Dann beginnt bei uns auf der Nordhalbkugel der Frühling - die Nordhälfte der Erdkugel wird dann von Tag zu Tag länger im Sonnenlicht sein und wir sind näher dran an der Sonne - weil die Erde halt schief steht, auf der Südhalbkugel beginnt der Herbst. Bei uns werden die Tage länger, auf der Südhalbkugel kürzer. Dieser Zeitpunkt der Tagundnachtgleiche fällt jedes Jahr auf den 19.20. oder 21. März - dieses Jahr ist es hier am 20.03.2022 um 16:33 soweit. So exakt rechnet also die Astronomie.

So und nun kommt die Botanik ins Spiel, wir rechnen quasi gar nicht - wir beobachten nur. Heißt: Wir schauen uns an, welche Entwicklungen in der Natur stattfinden, z.B. was gerade blüht und benennen die Jahreszeit, die gerade "herrscht" nach diesen Phänomenen. Daher nennen wir diese Art des wissenschaftlichen Herangehens "Phänologie".


Winterlinge sind auch hübsche Vertreteter des Vorfühlungs, aber giftig.

Der phänologische Frühling wird dabei aufgeteilt in Erstfrühling  - wenn die Forsythien blühen etwa - und den Vollfrühling, wenn die Apfelbäume blühen. Zwischen Winter und Frühling gibt es noch den Vorfrühling - in dieser Zeit blühen die Haselnuss, die Schneeglöckchen, die Weiden, Christrosen, Winterlinge, Krokusse, Huflattich, Leberblümchen, Schlüsselblumen, Kornelkirsche und der giftige Seidelbast. Wenn du also wissen möchtest, wann der Frühling beginnt, dann brauchst du einfach nur rauszugehen und nachzuschauen, was gerade blüht.

Jetzt sind wir also  - hier zumindest - im Vorfrühling, in wärmeren Gegenden geht er schon in den Erstfrühling über. Ich wünsche dir viel Spaß beim Frühlingentdecken draußen.

Freitag, Februar 08, 2019

Bäume und Sträucher im Winter erkennen

Ihr Lieben, es ist schon wieder so viel los, dass ich gar nicht mehr weiß, ob ich euch schon erzählt habe, dass nun alle Exkursionstermine ausführlich online zu finden sind, hier nämlich: www.wildundroh.de. Nun wird es aber auch wirklich Zeit, dass es wieder losgeht mit den Exkursionen, ich hab nun endgültig genug von der Schreibtischarbeit. Es ist nicht mehr so kalt und die Knospen warten auf wärmere Temperaturen, obwohl es wohl doch noch eine Weile dauern wird, bis sich da was tut, erst im Mai wird es wieder üpppig grün sein an den Bäumen.

Aber bis dahin kann man sich durchaus auch mit den Knospen behelfen, beispielsweise Lindenknospen, mit ihren vielen Schleimstoffen, sie helfen nicht nur gut gegen Husten, sondern schmecken auch sehr lecker und können in zahlreichen Rohkostgerichten verwendet werden. Und über die Gemmotherapie habe ich ja schon an anderer Stelle berichtet.


Auf vielfachen Wunsch hin wird es auch in diesem Jahr eine Botanische Exkursion geben, bei der wir üben werden, Sträucher und Bäume im Winter zu erkennen und kosten, was daran wohl essbar oder nützlich sein könnte.

Termin: Samstag 2. März 14 Uhr Alle Details hier unter diesem Link.


Nicht immer ist das Erkennen der Bäume in dieser Jahreszeit einfach, so einfach wie unten im Bild - wer unter diesem Baum nach oben schaut, sieht eindeutig einen …, weil Früchte und Blätter darunter liegen. Na, wisst ihr es? Sonst ganz schnell anmelden für die Exkursion, am besten per Email an info(ät)christine-volm.de oder per Telefon - siehe Homepage.


Hier noch die Auflösung: Natürlich ist das ein Blatt vom Spitz-Ahorn. Bis wir etwas vom Spitz-Ahorn verspeisen können dauert es meist bis April oder manchmal auch bis Mai. Erst dann schmecken seine köstlichen Blüten ganz wunderbar. Ich nutze sie gerne als Kuchendekoration oder auf Salaten.

Wir sehen uns - auf einer der Baum-Exkursionen, jedes Quartal gibt es eine, so kannst du die Bäume das ganze Jahr über kennenlernen.






Samstag, Januar 12, 2019

Die Lösung für Nusskäse, Sonnenmilch und Meeresfrüchte

So, wieder da. Schön war's in Malmö, aber auch ekelhaft. So was von ekelhaft. Das lag daran, das ich nicht nur leckere Rohkost gegessen habe, sondern auch dem Disgusting Food Museum einen Besuch abgestattet habe. Davon demnächst ausführlich mehr.

Gestern habe ich mir dann ein bisschen Erholung gegönnt, also um genau zu sein, nur das gearbeitet, worauf ich Lust hatte. Und das hatte natürlich einmal wieder mit Genießen zu tun oder vielmehr der Vorbereitung dafür. Und was dabei rausgekommen ist, das kannst Du eventuell auch bei einem neu konzipierten Seminar zum Thema Algen erleben. Ich habe heute den ersten Entwurf für das Menü, das wir in diesem Rohkost"koch"kurs herstellen und verkosten wollten, zusammengestellt und so könnte es aussehen:

Unsere Meeresfrüchte sind natürlich immer echte "Früchte"


Erster Gang:

Weiße Selleriesuppe mit Vogelmiere-Fenchel-Öl und cremigen Nori-Meeresfrüchten.

An dieser Stelle stutze ich im Schreiben und vor meinem inneren Auge erscheint in großen fetten roten Buchstaben folgende Frage:

Dürfen Meeresfrüchte eigentlich Meeres"früchte" heißen?

Es sind doch gar keine Früchte. Wenn laut eines Urteils des oberstem Europäischen Gerichtshofs Nussmilch nicht Nussmilch und Cashewkäse nicht Cashewkäse heißen dürfen, wieso dürfen dann Meeresfrüchte so heißen, wie sie heißen. Das suggeriert dem Verbraucher ja ebenso ein falsches Bild wie es Cashewmilch angeblich tun soll, nämlich dass diese wie Früchte beliebig und von alleine nachwachsen könnten. Es verschleiert völlig, dass es sich im Normalfall um lebende Tiere handelt, die gefangen, getötet oder wahlweise auch lebendig verspeist werden. Hier bedarf es dringend der Korrektur liebe Verbraucherschützer oder das Verbot von "Nussmilchkäse" muss aufgehoben werden. Entweder es gibt Nussmilch und Meeresfrüchte oder es muss Nussdrink, -creme oder -aufstrich - oder wie auch immer es korrekt zu bezeichnen wäre - und Meerestiere heißen. Ich warte auf eine allgemeingültige Entscheidung an Stelle von Willkür gegenüber veganen Produkten.
Und übrigens, wenn wir schon dabei sind: Auf meine Frage nach der Sonnenmilch, die weder Sonne enthält noch von einer sonnenbestrahlten Kuh stammt, habe ich von der Verbraucherschutzseite auch noch keine Antwort bekommen. Es ist doch hanebüchen angesichts der entfachten Diskussionen, eine solche Produktbezeichnung nicht zu bemängeln.

Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass Sprache nicht immer logisch sein muss und auch etwas Gewachsenes ist und der zunehmende Veganismus hier einfach die Sprachentwicklung überrollt hat. Allerdings ist unsere Sprache aus meiner Sicht durchaus in der Lage mit derlei Dingen umzugehen. Beispiel: Ein Schirm und ein Lampenschirm sind natürlich zwei völlig verschiedene Dinge, einen Lampenschirm als Schirm zu nutzen ergäbe keinen Sinnen, denn vermutlich wird man nass. Wie um alles in der Welt kommen wir aus diesem sprachlichen Dilemma raus?

Ich schlage vor, wir machen es wie in der Botanik:

Da ist es nämlich so: Wenn eine Pflanze zu einer Gattung gehört, deren Namen sie trägt, dann heißt sie wie diese Gattung und zur Artbezeichnung bekommt sie einen zusätzlichen Namen vorangestellt und eventuell auch einen Bindestrich:

Das Kriechende Fingerkraut heißt Potentilla (Gattungsname) für Fingerkraut + reptans (Artname) für kriechend.

Das Frühlings-Fingerkraut heißt Potentilla (Gattungsname) + neumanniana (Artname)

Das Gänsefingerkraut - Achtung: ein Wort! - heißt nicht Potentilla, gehört nicht zu der Gattung, also bekommt es weder Bindestrich und Extraname, sondern einen eigenen langen Namen, der teilweise einen anderen Namen enthält: Gänsefingerkraut, lateinisch Argentina anserina.

Wenn jetzt also ein Käse aus Nüssen hergestellt ist, dann ist es laut Verbraucherschutz ja kein Käse, dann könnte er also Nusskäse heißen, er enthält zwar das Teil-Wort käse, was ihn aber noch lange nicht zum Käse macht. Eine Brotkrume darf ebenso das Teilwort Brot enthalten, wie der Lampenschirm, den Schirm enthalten darf, ohne zwangsweise mehr als 2 g wiegen zu müssen beziehungsweise vor Regen zu schützen, nicht wahr? Können wir uns soweit einigen?

Den Käse aus Milch könnte man dann vom Nusskäse unterscheiden, indem er entweder
nur Käse oder eben
Ziegen-Käse,
Rohmilch-Käse,
Streich-Käse,
Berg-Käse
Schnittlauch-Käse oder
Nuss-Käse (das wäre dann ein Käse aus Milch mit Nüssen) genannt wird.

Dann müssten auch nicht solche Ausnahmen definiert werden wie hier im Anhang zum EuGH-Urteil.

Ich erhebe übrigens Urheberschutz auf diese Idee, möge bitte jetzt kein Politiker oder Verbraucherschützer erwägen, diese als sein geistiges Eigentum zu verkaufen.

Für die Meeresfrüchte, würde das heißen, dass meine Meeres-Früchte dann mit einem Bindestrich geschrieben werden müssten, aber in diesem Fall würde ich es wirklich sinnvoll finden, wenn man stattdessen einfach Meerestiere sagen könnte.

Falls ich dich liebe/r Leser*In jetzt verwirrt habe, dann tut es mir leid, ich wollte eigentlich das Menü für's Seminar aufschreiben... das mache ich dann im nächsten Post. Schönes Wochenende schon mal und falls Du eine bessere Idee zur Lösung des veganen und nicht-veganen Sprachwirrwarrs hast, dann immer her damit, unten in den Kommentaren. Und ich freue mich, wenn Du diesen Post teilst, vielleicht kannst Du damit ja auch etwas beitragen, damit diese unleidliche Sache endlich politisch und rechtlich geklärt werden kann.


Mittwoch, Februar 15, 2017

Bäume, ihre Rinde und mehr

Jetzt steht es fest, die Exkursion "Bäume und Sträucher erkennen im Winter" kann stattfinden. Ich freue mich schon sehr darauf. Immer wieder bin ich nach einer Baumexkursion gefragt worden und dachte mir dann: Das müsste man doch auch zu verschiedenen Jahreszeiten machen. Und nun starten wir sogar im Winter damit. Es ist nicht gerade einfach, Bäume und Sträucher im Winter zu erkennen, da tun sich manche Gärtner sogar schwer und auch wir Botaniker müssen genauer hinschauen als sonst. Zum Beispiel bei den Birken, die im allgemeinen eigentlich gar nicht so schwer zu erkennen sind, aber auch davon gibt es spezielle Arten und Sorten, wie diese hier:


Ihre Rinde ist beeindruckend schön und die äußerste Schicht löst sich immer wieder zum Teil ab.


Wenn ihr auch Spaß an Bäumen und Sträuchern oder insgesamt an der Botanik habt, dann meldet euch schnell per Mail info(ät)christine-volm.de noch an. Am 25. Februar von 10-12 Uhr werden wir uns ganz den Bäumen und Sträuchern widmen. Und hoffentlich ist es dann so schön wie auf den Bildern - gerne auch ohne Schnee.


Dienstag, März 25, 2014

Die Intelligenz im kleinen Zeh - Teil 2

Ich habe hier ja an verschiedenen Stellen schon über Yoga und die Intelligenz im kleinen Zeh berichtet. Manchmal muss man einfach wieder ganz bei den Basics anfangen, um an anderer Stelle weiterzukommen. Das sind manchmal Rückschläge aber gleichzeitig die Bausteine eines Fundaments das später einmal tragen soll. Solche Übungen sind für uns alle anstrengend.

Manche müssen plötzlich erkennen, dass ihr Fundament der Pflanzenkenntnis wackelt, dass die Wildpflanzen doch viel vielseitiger sind als bisher gedacht und es dringend nötig ist, bei den Basics anzufangen: Blütenaufbau, Lupe raus, Bestimmungsbuch! Aaaah, wir trocken. Darüber mache ich mir schon lange keine Gedanken mehr, das ist normal, sonst wäre man als Botanikerin ja nach ein paar Jahren fertig mit lernen - erst aber wenn wir erkennen, dass ein Leben zu kurz ist, um alle Pflanzen zu kennen und dass es immer wieder Neues zu erfahren gibt, erst dann können wir wirklich beginnen zu lernen.


Ein kleiner Trost für alle, die jetzt entmutigt ihre ersten Wildpflanzen-Kenntnisse verwerfen wollen, soll euch dieses Bild geben. Hat meine Yogalehrerin gemacht - nach 10 Jahren Iyengar-Yoga, haben meine Zehen immer noch nicht gelernt, wie gewünscht zu arbeiten. Die Hilfe mit dem Holzblock zwischen den Knöcheln macht es deutlich. Eigentlich zum Verzweifeln? Ich kann euch sagen, ich bin schon mal froh, dass ich den Block mit beiden Knöcheln zusammenpressen kann, auf der Ferse stehen kann und und und.... Aber es gibt noch viel zu tun und so fange ich demütig wieder bei den Füßen an.

Übrigens: Wer mit mir unter fachkundiger Anleitung Yoga üben möchte und zusätzlich Wildpflanzen kennenkernen will - der ist hier richtig!